|
Nervenaufreibendes Friday-Night-Fever in New York mit "Harold und Kumar"
Es ist gibt eine Phase in der persönlichen Entwicklung jedes Menschen, die in ihrer existenziellen Wucht mit dem harmlosen Begriff Pubertät nicht hinlänglich beschrieben werden kann. Die Welt und vor allem die Erwachsenen werden zur Bürde, und mit dem Erwachen sexueller Regungen sind Neugier und Angst verbunden. Manche schreiben in diesem jugendlichen Aufbruchsalter Gedichte, andere sprayen Straßenbahnwagen voll, und wieder andere gefallen sich in anarchischer Verweigerungshaltung.
Zu Letzteren gehören der verklemmte Koreaner Harold (John Co) und sein Angeberkumpel, der Inder Kumar (Kal Penn). Und die beiden erleben Freitagnacht auf der Suche nach Burger und Busen den ganz normalen Wahnsinn in Downtown New York, einschließlich Ritt auf einem bekifften Tiger. Außerdem mit von der Friday-Night-Fever-Partie: Zwei anscheinend debile jüdische Jugendliche, ein bibelfester Aussätziger und zwei durchfallgeplagte Mädels. Die Erwachsenen sind in diesem Dokument vollkommener Gedankenenthobenheit noch blöder als die Jungen. "Harold und Kumar", mit den Synchronstimmen von Oliver Pocher und Rick Kavanian, ist Märchen-, Horror- und Ekelkino in einem. Regisseur Danny Leiner liebt Provokation und Tabuverletzung der unappetitlichen Sorte. Möglich, dass hinter den absurden Episoden und der Wahl der filmischen Mittel satirische Absicht steckt. Mit einer so überzeichneten Typenkomödie ist jedoch dem sozialen Klima des Melting Pots New York nicht beizukommen.
GÜNTER VERDIN
© SN
|