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"Terminal": Steven Spielberg zeigt Tom Hanks als staatenlosen Ost-Europäer auf dem Flughafen von New York.
Es ist der Kampf von David gegen Goliath: Der Russe Viktor Navorski (Tom Hanks) landet auf dem Flughafen von New York. Weil in seiner Heimat, einer fiktiven ehemaligen russischen Teilrepublik, just in dem Moment schwere Unruhen ausbrechen, als Viktor die USA betreten will, wird sein Pass ungültig, und der Reisende somit zum Staatenlosen. Fortan muss Viktor warten: Zurück darf er nicht, in die USA einreisen auch nicht. Sein zwischenzeitlicher Lebensraum: Ein schickes Flughafenterminal, und Viktor, ohne Geld auf sich allein gestellt.
Schon ist die Handlung des neuen Spielberg-Films umrissen. Die Flughafenbehörde macht dem Asylbewerber (?), Flüchtling (?), Touristen (?), Menschen (?) das Leben so schwer wie nur möglich, doch Viktor setzt die in seiner ehemals kommunistischen Heimat erworbene Zähheit gekonnt ein, um aus der Situation das Beste herauszuholen. Schnell avanciert er zum beliebtesten Bewohner des Flughafens.
Steven Spielberg ist müde geworden. Sein neuer Film ist eine leichte Komödie ohne jenen Tiefgang, der sich bei diesem Thema angeboten hätte. Doch auch Spielberg traut sich nicht (zu), die US-Behörden und ihre immer irrwitzigeren Spielchen bei den Einreiseformalitäten satirisch aufs Korn zu nehmen.
Dann und wann scheint der Regisseur ein bisschen Zynismus gegenüber seiner Heimat zu entwickeln. Aber das sind vielleicht ein, zwei Augenzwinkerer in 130 Minuten. Unter dem Strich verabsäumt Spielberg, den aufgelegten Elfmeter zu verwandeln. Er begnügt sich mit einer lauen, langweiligen Komödie, anstatt provokant und bissig zu werden. Systemkritik ist in den USA inzwischen vermutlich selbst für diesen Künstler zu gefährlich.
Also kocht Spielberg die Zuseher mit althergebrachten Rezepten ein: Der gute Einwanderer kommt mit Klugheit schnell zu ein bisschen Kleingeld, kann dadurch in den verdienten Double Whopper beißen und dazu ein Cola genießen.
Die schöne Stewardess (sensationell langweilig in der überflüssigsten Rolle des Films: Catherine Zeta-Jones) parliert auch gerne mit ihm, und lässt sich von Viktor den Hof machen. Viktor lebt den amerikanischen Traum im Mini-Format, der ihn erst am Ende aus dem Flughafen-Terminal herausführt.
Happy-End im Konsumtempel
Ein Happy-End im Konsumtempel zwischen Dior-, Gucci- und Zegna-Läden - schon lange nicht hat Steven Spielberg mit einem seiner Filme derart am Zeitgeschehen vorbeiinszeniert. Selbst seine Fantasy-Spektakel vermittelten allesamt die beruhigende Botschaft, bloß surreale Science-Fiction zu sein.
Im brisanten, weil aktuellen Fall von "Terminal" versäumt Spielberg, die politische und vor allem soziale Realität in seinem Land zu spiegeln. Auch, oder gerade weil "Terminal" eine Komödie ist. Als Filmemacher hat Spielberg dadurch versagt.
Matthias Greuling
© SN
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