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Tony Scotts "Mann unter Feuer" über einen Killer, der die Bibel liest und Albträume in Alkohol ertränkt
Das ist ein schrecklich schicker, durchgestylter, ein hoch emotionaler Film. "Mann unter Feuer" ist ein Film, der sich eine Stunde lang Zeit nimmt, um die heile Welt des Reichtums innerhalb der als korrupt gezeichneten mexikanischen Gesellschaft aufzubauen. Und eine weitere Stunde Zeit braucht, um nicht der Gerechtigkeit, sondern Rache zum Sieg zu verhelfen.
Es kann der Reichste nicht in Frieden leben, wenn es den bösen Armen nicht gefällt. Das ist ein typisch amerikanischer Film. Amerika ist der Weltpolizist, der mit allen Mitteln für Ruhe und Ordnung sorgt. Wenn nicht Amerika, wer sonst?
Der in CIA-Diensten auf unfeine Problemlösung spezialisierte Ex-Spezialsoldat John Creasy, erschreckend eindimensional gespielt vom zweifachen Oscar-Preisträger Denzel Washington, verkörpert Amerika nach dem 11. September. Er killt alle, die an der Entführung der von ihm bewachten Tochter eines amerikanisch-mexikanischen Ehepaars beteiligt waren.
Bevor er die Gangster tötet, foltert er sie, um Hinweise auf die nächsten Opfer zu erhalten. Creasy ist ein Killer, der die Bibel liest und Albträume in Alkohol ertränkt. Die Wende am Schluss disqualifiziert seine blutigen Rachetaten. Der vermeintliche Erlöser opfert sich schließlich selbst.
Regisseur Tony Scott hat offensichtlich alle Hände damit zu tun, Thriller-Effekte durch rotierende Kameras, rasante Zooms, Zeitlupen- und Zeitraffer, Überblendungen, Über- und Unterbelichtung über die Handlung zu stülpen, dass die so genannte Moral der Geschichte nur mehr scheinheilig wirkt. Wie vordergründig auf Effekt die Story und ihre Umsetzung gestrickt sind, zeigt sich in der musikalischen Untermalung: Linda Ronstadt mit "Blue Bayou" steht für bürgerliche Gemütlichkeit, Heavy Metal wird für die raue Wirklichkeit in den Slums und die Abschlachtszenen eingesetzt. Die Dialoge sind von lächerlichem Pathos geprägt.
"Jede Kugel erzählt eine Geschichte", tönt der selbst ernannte Racheengel. Vielleicht hätte man doch einen Drehbuchautor statt einer Kugel nehmen sollen.
Günter Verdin
© SN
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