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Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, der Teller wäre eine Uhr und das Essen von einer Uhrzeit zur anderen gruppiert?
In "Erbsen auf halb 6" kann das Publikum lernen, Altbekanntes neu zu sehen. Aus der Perspektive von Blinden wird Regen zu fallenden Tropfen auf Dosen, die Farbe Gelb zur Wärme der Sonne auf Kieselsteinen.
Regisseur Lars Büchel schickt seine Protagonisten Jakob, der bei einem Autounfall sein Augenlicht verlor, und die von Geburt an blinde Lilly auf eine Reise durch eine Welt voller ausdrucksstarker Bilder. Lilly hat gelernt, sich im Alltag zurechtzufinden. Diesen eigenen Weg mit der Blindheit umzugehen möchte sie als Therapeutin auch Jakob lehren, doch dieser läuft in seiner Verzweiflung vor seinem Schicksal davon. Er bringt damit nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern stellt auch die hartnäckige Therapeutin vor neue, scheinbar unüberwindliche Hindernisse.
"Erbsen auf halb 6" zeigt die langsame Annäherung der beiden, aber auch den schwierigen Weg auf das Sehen zu verzichten. Verzichten? Im Gegenteil - vielmehr lernt Jakob von Lilly, die Schönheiten der Welt auf andere Weise zu genießen. Berührend ist, wie man sie auf ihrer Reise begleitet und weiß, dass sie die warmen Farben, die den Film paradoxerweise zu einem Fest für das Auge machen, nicht wie wir erleben können.
Andererseits lehrt der Film, auf vermeintliche Kleinigkeiten zu achten. Der Zuschauer kann sich vieler Dinge, die im Alltag sonst nicht auffallen, bewusster werden. Von den beeindruckenden Schauspielern Fritzi Haberlandt und Hilmir Snaer Gudnason unterstützt, gelingt es Lars Büchel nach "Jetzt oder nie" (2000) abermals mit einen Film Mut zu machen. In seinem Regiedebüt beschäftigte er sich mit Tod und Alter. Nun zeigt er, wie auch Blinde "sehen" können. In seiner Handlung zwar manchmal unrealistisch, zeichnet sich der Film durch den liebevollen Umgang mit der Thematik aus.
THERESA STEININGER
© SN
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