|
"Godsend" von Nick Hamm - ein gut gemachter Thriller, der dem komplexen Thema Klonen freilich nicht gerecht wird.
Nick Hamm: Mit dem Namen des britischen Regisseurs ist untrennbar der Film "The Hole" verbunden, die Geschichte von vier in einem Bunker eingesperrten jungen Menschen, die eigentlich bloß etwas überdreht Geburtstag feiern wollten - psychologisierender Horror vom Feinsten. Ein Regisseur, der für die Royal Shakespeare Company inszeniert hat, drehte also nun einen Thriller über einen "Betriebsunfall" beim Klonen? Die Erwartungen an "Godsend" sind hoch.
Tatsächlich bestätigt sich Hamm in seiner ersten Hollywood-Produktion als ein Genre-Meister, der es perfekt versteht, sein Handwerk auszuspielen. Das ist faszinierend und zugleich das entscheidende Problem dieses Films: Ohne übertrieben effekthascherisch zu sein, wird ein beispielloser Spannungsbogen aufgebaut. Im Abspann atmet man erst einmal durch - und umso drängender kommt die Frage: Soll das alles gewesen sein? Sollten die Filmemacher wirklich nicht mehr vermitteln wollen als: "Die Moral von der Geschicht - klone keine Kinder nicht"? So einfach darf man es sich nicht machen - nicht einmal im Hollywoodkino.
In der jungen Familie Duncan ist die Idylle perfekt, bis der achtjährige Adam Opfer eines Verkehrsunfalls wird. Doktor Wells (Robert de Niro) nutzt die Verzweiflung der Eltern, bietet einen Deal an: Aufbau einer neuen Existenz mit neuem Kind - geklont. Acht Jahre geht das gut, doch dann zeigt der neue Adam Verhaltensauffälligkeiten . . .
Ein perfektes Casting: Cameron Bright. Wenn er lächelt, ist er lieb anzuschauen, und wenn er finster dreinschaut, traut man ihm sofort alles Böse dieser Welt zu.
Bezüglich des Themas sollte man die Erwartungen zurückschrauben: Das Klonen beschäftigt Ethiker und Theologen, Juristen und Ärzte. Was passiert, wenn die Macht des Faktischen siegt über moralische Bedenken? Das Ergebnis kommt im günstigsten Fall in Dollys Schafpelz daher. Mehr will dieser Film wohl nicht sagen. "Godsend" ist ein solid gemachter Film - nur auf psychologische Feinzeichnung und ethische Statements darf man nicht hoffen.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
|