|
Comic-Held im Kino: "Blueberry und der Fluch der Dämonen"
Früher oder später lernen sie alle laufen. Es hat sich mittlerweile zu einer Art Obsession entwickelt, Comics fürs Kino real zu verfilmen. Dabei kommen manchmal gute Beispiele heraus ("Spider Man 2"), meistens aber geht die Chose in die Hose ("Hulk"). Der Gedanke hinter den Neuverfilmungen ist, dass die gezeichneten Heftchenhelden eine Fangemeinde haben, die geschlossen ins Kino stürmt.
Dumm läuft es nur, wenn wenige die Storys kennen und die Filme gar nichts mit der Vorlage gemeinsam haben. Wie bei "Blueberry". Hier zu Lande sind die in Frankreich legendären Comics von Jean Giraud kaum bekannt und noch dazu hat Regisseur Jan Kounen seinen Film nur vage an zwei Bände der Wildwest-Saga angelehnt.
Erzählt wird die Geschichte des gebrochenen Helden Blueberry, der seit Jahren Jagd auf den Gangster Wally Blount macht. Der ermordete nämlich einst die Frau, die Blueberry liebte.
Anders als in den eher authentischen Bildergeschichten kippt Kounens Kinoadaption in eine esoterische Bilderflut, in der Indianer Geister beschwören und Blueberry mit Hilfe bewusstseinserweiternder Pilze erst Blount zur Strecke bringen will und dann auch so manches Hirngespinst in seinem Kopf.
Die seltsame bis selbstverliebte Pferdeoper ist ein echter Härtetest, der grell daherkommt und oft in Zeitlupe. Und wann immer es die Macher gut meinen, schalten sie um auf Computereffekte im "Matrix"-Stil, dass einem der Schädel brummt. So gerät der Film zu einem anstrengenden Mix aus Drogentrip und Pseudo-Design. Man kann das alles ernst nehmen, muss aber nicht. Als Comicverfilmung geht das Ganze jedenfalls kaum durch.
DANIEL RONEL
© SN
|