|
Ein nur oberflächlich brillanter Tom Hanks in "Ladykillers" von Ethan und Joel Coen
In herkömmlichen britischen Gaunerkomödien hat bekanntlich noch das abgrundtief Böse Noblesse. Der klassische Fall: der Film "Ladykillers" aus dem Jahr 1955 mit dem Gentleman-Ganoven Sir Alec Guinness. Die Transponierung des Stoffs in die amerikanischen Südstaaten treibt der Geschichte den letzten Charme aus.
Die Brüder Ethan und Joel Coen haben als Produzenten schon einiges zum Laufen gebracht. Hier bringt ihre erste gemeinsame Regie die Story fast zum Stillstand. Weder Timing noch Personenführung stimmen froh und lustig in diesem Remake.
Aus der zerbrechlichen, gutgläubigen alten Lady Wilberforce wird hier die stämmige, glaubensstarke Witwe eines schwarzen Predigers namens Munson (Irma P. Hall wackelt beim Watscheln und macht Glubschaugen).
Mrs. Munson vermietet an den seriös wirkenden Professor Goldswaith Higginson Dorr den Keller ihres Häuschens für die Proben mit seinem Kammermusikensemble. Hinter den vorgeblichen Musikern verbirgt sich ein chaotischer Haufen Kleinkrimineller, welche ans große Geld im Tresor des Casinos wollen, zu dem vom Keller aus ein Tunnel gegraben werden muss.
Die Bohrgeräusche werden durch die kammermusikalische Soundkulisse aus dem Kassettenrecorder übertönt.Eventuell aufkeimende Spannung tötet das Regie-Duo fast provokant ab durch lähmend zelebrierte Situationskomik.
Das unsägliche Chargieren der Darsteller nervt ebenso wie die Dialoge, die aus dem Gegensatz zwischen dem dozierenden Ton des gerne Edgar Allan Poe zitierenden "Professors" und einer peinlich heutigen Fäkalsprache komische Wirkung erzielen will.Auch Tom Hanks bietet als "Professor" nur Brillanz an der darstellerischen Oberfläche. So haben sich die Gebrüder Coen diesmal als echte Remakekillers erwiesen.
Günter Verdin
© SN
|