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Secretary
Skurrile Liebe
In "Secretary" erzählt Steven Shainberg von der Seelenverwandtschaft eines Sadisten und einer naiven Masochistin.

Tippfehler haben blaue Flecken zur Folge. Der exzentrische Anwalt Edward Grey pflegt seine Mitarbeiterinnen durch körperliche Züchtigung - vornehmlich mit Schlägen auf den Hintern - zu bestrafen. Entsprechend groß scheint die Fluktuation in seiner Kanzlei zu sein, vor deren Eingang eine fixe Tafel mit der Aufschrift "Sekretärin gesucht" installiert ist. Leuchten die Lampen auf dem Schild, dann hat Grey wieder einmal ein Personalproblem.

Probleme ganz anderer Natur quälen Lee Holloway. Die naive Frau mit chronischem Hang zur Selbstverstümmelung absolviert während ihrer Behandlung in einer psychiatrischen Anstalt einen Schreibmaschinenkurs. Nach ihrer Entlassung bewirbt sie sich bei Grey. Als auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch eine weinende Frau aus der Kanzlei stürzt, reagiert sie alles andere als befremdet.

Steven Shainberg zeichnet in "Secretary" subtil die erste Annäherung und die daraus resultierende skurrile Beziehung zwischen dem verklemmten Sadisten und der naiven Masochistin.Charakterstudie und absurde Komödie Das Ergebnis ist eine formal gelungene Mischung aus psychologischer Charakterstudie und romantischer Komödie. Wer glaubt, dass letzteres Genre unmöglich mit der Sadomaso-Thematik kompatibel sein könne, der irrt.

Shainberg betont den absurd-komischen Aspekt der sexuellen Beziehung der beiden Vorstadtneurotiker, ohne diese der Lächerlichkeit preiszugeben. Und der US-Regisseur bedient keinerlei Voyeurismus, indem er weder nackte Körper noch nackte Gewalt in Szene setzt. Beides spiegelt sich nur in den Gesichtern der Protagonisten. Über Sexualität - immerhin das zentrale Thema des Films - wird nicht einmal gesprochen.

Es sind letztlich die schauspielerisch beeindruckenden Leistungen, die das filmische Kammerspiel tragen. Maggie Gyllenhaal brilliert als Prototyp der grauen Maus, die sich scheinbar devot in ihr Schicksal fügt, sich aber letztlich dem scharfen Blick der Schlange widersetzt. Als Grey zu ahnen beginnt, dass Lee ihre Tippfehler absichtlich setzt, ist es für den Anwalt bereits zu spät. James Spader verkörpert Grey als berechnenden Pedanten, der zwanghaft alles um sich herum zu kontrollieren trachtet.

Shainberg gelingt es, eine seltsame Liebesgeschichte mit dem Porträt zweier Außenseiter verschmelzen zu lassen. Deren sadomasochistischen Praktiken werden in einer antiquiert anmutenden Normalität ins Bild gesetzt, die dem Ganzen den Hauch des Surrealen verleiht - ein unkonventioneller Film.

MICHAEL STADLER

© SN

 

diese seite | 03.08.2004 | 13:55

Daten und Fakten

Regie: Steven Shainberg

Schauspieler: James Spader, Maggie Gyllenhaal, Jeremy Davies, Lesley Ann Warren, Stephen McHattie

Genre: Komödie, Romanze

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