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Comic-Actionverfilmung "Der Punisher" mit John Travolta als übler Gangster
"Du gehst?", fragt die Blondine mit unschuldigem Augenaufschlag. "Wirf einen Blick in die Zeitung, dann wirst Du es schon verstehen", antwortet der Held, der mit herb entschlossenem Gesichtsausdruck an der Schönen vorbei strebt. - "Welche Rubrik?" - "Die Todesanzeigen".
Da sind also Probleme nach Männerart ausgeräumt worden. Nach Art richtiger Männer. Ein ganzer Kerl war am Zerstörungswerk. Einer von jenen, denen man eine Zehn-Zentimeter-Klinge zwischen die Rippen stoßen kann, und die dann immer noch im Nahkampf ihren Mann stehen.
Thomas Jane, nicht gerade ein Zeiserl von Statur, muss für diese Rolle einige Sonder-Bizeps-Trainingsdurchgänge im Fitness-Studio gebucht haben. Und der Brustkorb! Man traut sich ja nach Filmende seiner Freundin nicht mehr in die Augen zu sehen.
Das Training war für den Schauspieler locker drin, denn die Rolle des "Punishers" hat ihn nicht gerade mit dem Textstudium überstrapaziert. Der oben zitierte Dialog ist einer der längeren in diesem Film. "Geh mit Gott", sagt einer zum Helden. Die Antwort ist klipp und klar: "Gott kann sich auf etwas gefasst machen." Er sollte tatsächlich rasch über einer Wolke in Deckung gehen, denn es hagelt Blei.
"The Punisher" macht keine halben Sachen, auch wenn er sich dafür ordentlich Mut antrinken muss. Vermutlich fährt er mit deutlich über nullkommafünf Promille mit dem zum Miniaturpanzer aufgemöbelten Auto auf den Feind los. Schon aus Desinfektionsgründen macht sich der Alkoholspiegel bezahlt. Warum das Ganze? Ein Groß-Krimineller (John Travolta) mit allzeit schussbereiten Domestiken hat die ganze Sippschaft des FBI-Undercover-Agenten ermorden lassen. Nur durch Zufall hat Frank Castle überlebt - und jetzt macht er sich als "Punisher" ans Revanche-Blutbad. Ungläubig bestaunen zwei geistig minderbemittelte Hausbewohner, was sich in der Nachbarschaft tut. Und die schöne Blonde (Rebecca Romijn-Stamos) bewundert den schießwütigen Muskelprotz.
Diese Randfiguren helfen ein wenig, die Schuss- und Blutorgie zu gliedern. Da kommt sogar Ironie ins Spiel.
Aus den siebziger Jahren stammt der Marvel-Comic. "The Punisher" (schon einmal, 1989, verfilmt mit Dolph Lundgren) hebt sich von anderen gezeichneten Helden dadurchaus, dass er weder übersinnliche Fähigkeiten noch ein utopisches Waffenarsenal hat. Ein richtiger Mann räumt auf - das muss genug sein.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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