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Patricia Cardosos Problemfilm "Echte Frauen haben Kurven" - und sie kratzen die Kurve mit Temperament und Selbstbewusstsein.
Es ist vermutlich eine jener Filmszenen, an die man sich noch nach Jahren erinnert: In der kleinen Näherei streift die achtzehnjährige Ana den Pullover ab und - shocking! - die anderen Arbeiterinnen, deutlich älteren Semesters und figurmäßig auch nicht gerade auf die Model-Seite gefallen, tun's ihr gleich: "Fleisch an den Knochen ist die Würze!"
Das frisch erwachte Körper- und Selbstbewusstsein lässt die Mexikanerinnen in einen so ungenierten wie liebenswürdigen und lebensfrohen Zellulitis- und Fettpölsterchen-Konkurs treten. Mexikanische Näh-Mamsellen in Los Angeles als pfundige Beinahe-Chippendales. Ohne männliche Beobachter, versteht sich: "Echte Frauen haben Kurven." Aber sollten sie nicht eher, so sieht es jedenfalls Anas Mutter, pralle Vorstellungen von Heiraten und Kinderkriegen, von Hausarbeit und vom traditionellen Rollenbild haben? Bei Ana ist - aus der Perspektive der etwas zickigen Mutter - alles schief gegangen. Nicht nur die Silhouette: Blendende Noten hat sie in der Schule, beste Aussichten auf ein Stipendium fürs College in New York. Aber da ist eben ein familiäres Selbstverständnis in der Sippschaft, das nicht ganz zu den Perspektiven einer jungen Amerikanerin im 21. Jahrhundert passt.
"Echte Frauen haben Kurven" ist ein Film aus der Fülle fraulichen Lebens: eine Mutter-Tochter-Beziehung, in der Generationen-, Sozial- und Ethnokonflikte vehement kochen. Genug Stoff, um ein großes Drama in die Endrunde zu bringen.
Aber genau das lässt die Regisseurin Patricia Cardoso absolut nicht zu. Sie arrangiert mit leichter Hand eine lebensnahe Geschichte, in der das Einander-doch-Mögen immer wieder zu Verständnis, zu (wenn auch zähneknirschendem) Einlenken und zu den notwendigen Kompromissen führt.
In der Hauptrolle zum Anbeißen mollig Es fehlt nicht an witzigen Situationen. Was das Verhältnis zwischen den Generationen angeht, hat ein jeder/eine jede ähnliche Szenen wohl schon mal erlebt.
Eine solche "Alltagsgeschichte" kann nur mit guten (und gut geführten) Schauspielern gelingen: America Ferrera heißt die junge Schauspielerin (und Film-Debütantin) in der liebenswürdig-charmanten Hauptrolle. Zum Anbeißen mollig . . .
Reinhard Kriechbaum
© SN
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