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Im Land der turbulenten Liebesträume: Kate Winslet und Jim Carrey in der schrägen, turbulenten Komödie "Vergiss mein nicht".
Er nimmt einfach einen anderen Zug, am Valentinstag, stadtauswärts. Und so landet er am Strand. Kalt ist es, und mit Leichenbittermiene stellt er fest: "Sand wird überschätzt." Liebesentzug, amouröses Delirium im akuten Stadium?
Da tritt Clementine in sein Leben. Ein Wirbelwind mit blau gefärbten Haaren und eine große Schweigende. "Andauernd reden ist noch lange nicht Kommunikation", entgegnet er ihre Vorwürfe, und: "Du solltest mein Tagebuch lesen - es ist leer."
Aber die Sache mit den leeren (genauer gesagt: den herausgerissenen) Tagebuchseiten ist’s ja gerade. Da gibt es nämlich einen windigen Arzt mit einigen skurrilen Helfern, die sich dem Gedächtnislöschen verschrieben haben. Eine Prozedur, in der Computer und Konzentration eine Rolle spielen.
An dieser Konzentration mangelt es den Helfern entschieden. Keine Details jetzt: Clementine war Kundin des Doktors, und Joe - mit Liebesfrust bis zum Geht-nicht-Mehr - beschließt seinerseits, diese Gehirnreinigungstherapie anzugehen.
Aber wie gesagt: Die Assistenten sind nicht ganz bei der Sache, und so kommt ein recht turbulentes Kopftheater in Gang, mit vielen skurrilen Szenen. Erinnerung, Gegenwart und Wunschdenken verschwimmen.
Während der Doktor fleißig Erinnerung löscht (Menschen, Versatzstücke, Häuser verschwinden andauernd), setzen Joe und Clementine zum großen Davonlaufen an, bevor der Doktor die Delete-Taste zum letzten Mal drückt.
"Being John Malkovich", "Human Nature", George Clooneys Regiedebüt "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind" - und nun also mit "Vergiss mein nicht" ein weiterer Geniestreich von dem Drehbuchautor Charlie Kaufman.
Herrlich schräg ist das alles! Bald gibt man das logische Denken auf und lässt sich hineinziehen in diesen wüst-verqueren Ablauf von Momentaufnahmen, in denen Fiktion und Realität, Geträumtes und Gedachtes, Erlebtes und Erhofftes kühn verschnitten durcheinander geht. Es fehlt nicht an Slapstick.
Und doch ist das alles immer ganz nah an echten Gefühlen, wie sie ein jeder (hoffentlich) schon erlebt hat. Oder wäre es besser, so etwas nicht zu erleben? Zu viel darf man nicht erraten, denn die Story lebt davon, dass das Puzzle einer liebenswert-unkitschigen, ja: charismatischen Liebesgeschichte in ganz kleinen Schritten Ordnung annimmt. Soweit man in diesem Fall überhaupt von Ordnung reden kann.
Die Protagonisten: Kate Winslet als ein Mädchen auf der Gefühls-Achterbahn zwischen zickig und leidenschaftlich, zwischen draufgängerisch und verunsichert. Und Jim Carrey, introvertiert, schweigsam, ein staunender Beobachter seiner selbst und vor allem der Dinge, die da in seinem Kopf umgehen und deren unmittelbarer Augenzeuge er plötzlich wird.
Gut, dass es solches Hollywoodkino noch gibt.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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