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Patty Jenkins erzählt in ihrem Debüt "Monster" die Geschichte einer Frau, die durch die Hölle geht und dabei zur Serienkillerin wird.
Weshalb wird ein Mensch böse? Was lässt ihn kompromisslos mit den Normen der Gesellschaft brechen? Warum kann jemand kaltblütig unschuldige Opfer ermorden? Um Fragen wie diese geht es Patty Jenkins in ihrem Erstling, der auf dem authentischen Fall von Aileen Wuornos basiert. Die Prostituierte ging als Amerikas erster weiblicher Massenmörder in die Kriminalgeschichte ein und wurde 2002 hingerichtet.
Die Medien vermittelten das Bild eines vom Hass auf Männer getriebenen Monsters. Dieser Darstellung folgt Jenkins nicht. Sie zeichnet in ihrem Mix aus Fakten und Fiktion das Schicksal einer Frau nach, deren Leben von Kindheit an im 100-prozentigen Gegensatz zu den persönlichen Wünschen und Sehnsüchten steht. Ihre Träume sind bloße Fantasie, die Realität hingegen ein einziger Albtraum: Mit acht Jahren regelmäßig von einem Freund der Familie sexuell missbraucht und vom Vater geschlagen, nach dessen Selbstmord mit 13 auf dem Strich, um die Geschwister durchzubringen. Die jahrelangen Demütigungen durch die Freier hinterlassen tiefe psychische Wunden. Die Handlung des Streifens setzt ein, als Aileen ihrem Leben ein Ende setzen will. Davor möchte die Prostituierte allerdings die fünf Dollar ausgeben, die sie in der Tasche hat. Ansonsten wäre ihr letzter "Dienst am Mann" ja völlig sinnlos gewesen.
An der Theke lernt Aileen die junge Lesbe Selby (Christina Ricci) kennen und verliebt sich, kein Gedanke mehr an Selbstmord. Aileen bemüht sich sogar um einen seriösen Job, doch ohne Ausbildung, Erfahrung und Lebenslauf enden alle Bewerbungen im Desaster. Als einziger Ausweg bleibt nur der Strich. Und dann kommt es zur Katastrophe: Ein Kunde vergewaltigt Aileen und versucht sie zu ermorden. In Notwehr tötet sie ihn. Damit bricht ein Damm. Den nächsten Kunden erschießt sie vorsätzlich, um an sein Geld und Auto zu kommen. Ironie des Schicksals: Genau als Aileen das erste Mal in ihrem Leben Liebe empfindet, wird sie zur Mörderin.
Jenkins verklärt das Schicksal der Mörderin nicht als Opfer der (Männer-)Gesellschaft. Das ist eine der Stärken von "Monster". Vielmehr scheint die Täterin den Selbsthass auf ihre Freier zu projizieren. Ihr skrupelloses Töten impliziert stets auch selbstzerstörerischen Charakter. Diesen Aspekt arbeitet Jenkins plausibel heraus. Die Beziehung zwischen Aileen und Selby wird psychologisch vernachlässigt.
Charlize Theron gestaltet ihre Rolle als Killerin mit einer Radikalität, wie sie auf der Leinwand nur selten zu sehen ist. Ihr Mut zum Hässlichen wurde mit mehreren Preisen - darunter auch der Oscar - belohnt. Dennoch hinterlässt ihr kompromissloses Spiel einen zwiespältigen Eindruck: Den burschikosen Machismo überzeichnet sie in einigen Szenen so stark, dass nur mehr bloße Pose bleibt. Der schauspielerisch beeindruckenden Leistung tut dies allerdings nur bedingt Abbruch.
MICHAEL STADLER
© SN
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