|
Die purpurnen Flüsse? Der erste Teil ist im Jahr 2000 in die Kinos gekommen. Nun gibt es - nein, eigentlich keine Fortsetzung.
Denn gemein sind beiden Filme nur zwei Dinge: Erstens ein charismatischer Kommissar, der als mobile Ein-Mann-Spezialeinheit dort landet, wo es mysteriös, nebelverhangen und undurchsichtig, weil beständig blutverschmiert zugeht. Zweitens der rätselhafte Titel. Man wird ihn der Einfachkeit halber so deuten: purpurfarbenes Filmblut fließt in breiten Bahnen . . .
Vor drei Jahren hat es Jean Reno als Kommissar Niemans in eine Spezialuniversität irgendwo in den Bergen verschlagen, wo eine Professoren-Clique ihr geistiges Herrenwesen durch Inzucht zu verfeinern suchte. Im elsässischen Kloster, wo Niemans recherchiert, ist ebenfalls eine professionell verschwiegene Gesellschaft beisammen. Aber ohne wissenschaftliche Ambitionen, trotz einer Klosterbibliothek, die in den "Namen der Rose" passte. Der Nebel hängt so tief, dass nur schemenhaft Figuren auf der anderen Seite des romanischen Kreuzgangs zu erkennen sind.
Man kann nicht behaupten, dass Regisseur Luc Besson (im Gegensatz zu seinem Regie-Vorgänger Matthieu Kassovitz) sich lange mit Suspense aufgehalten hätte. Es geht flott zur blutigen Sache und wir erleben, wie äußerst konditionsstarke und gelenkige Mönche zu einer Mordserie sondergleichen ansetzen. Unter ihren Kapuzen erkennt man kein Gesicht. Mit wehenden braunen Kutten fliehen sie, Amphetamin-Doping sei Dank, erfolgreich vor den durchtrainiertesten Bullen.
Natürlich sind sie unverwundbar gegen Schusswaffen, aber auch der Kommissar ist unverwundbar.
So wird, trotz reger Polizeitätigkeit, ein "Apostel" nach dem anderen stilvoll und mit akkurater biblischer Belesenheit malerisch Weise zur Strecke gebracht.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
|