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Das große Rennen von Belleville
Pedalritter trauriger Gestalt
Sylvain Chomet gelang mit dem "Großen Rennen von Belleville" ein sehenswerter Zeichentrickfilm.

Jacques Tatis Humor feiert auf der Kinoleinwand ein Comeback - und zwar in Form eines Zeichentrickfilms. Der in Kanada lebende Franzose Sylvain Chomet trifft nämlich in "Das große Rennen von Belleville" exakt den Ton des genialen, französischen Filmkomikers: Poetische Melancholie verschmilzt mit minimalistischem Slapstick zu einer bezaubernden Geschichte, in deren Mittelpunkt ein anfangs ebenso pummeliger wie phlegmatischer Junge steht.

Nach dem Tod seiner Eltern lebt der kleine Champion bei seiner Großmutter, die dem Verhalten des Buben ratlos gegenübersteht. Für nichts kann er sich begeistern und auch die Freude über einen jungen Hund als Geschenk währt nur kurz.

Als Madame Souza beim Aufräumen unter dem Bett ihres Enkels zufällig auf gesammelte Zeitungsausschnitte von Berichten über Radrennen stößt, besorgt sie ihm einen Drahtesel. Damit ist das Phlegma gebrochen. Jede freie Minute verbringt Champion im Radsattel.

Jahre später ist der dicke Bub ein Modellathlet und seine Großmutter eine versierte Radtrainerin. Professionell bereitet sie Champion auf die Tour de France vor. Der große Tag mit der berüchtigten Etappe auf den Mont Ventoux endet für Champion jedoch nicht auf den Siegerpodest, sondern in den Fängen von Entführern, die den Sportler mit zwei weiteren Radrennfahrern in Marseille auf ein Schiff verschleppen.

Madame Souza und Vierbeiner Bruno nehmen im Tretboot die Verfolgung auf. Tage später landen sie in Belleville, einem urbanen Moloch, der unschwer als New York zu identifizieren ist. Champions Spur verliert sich in den mächtigen Häuserschluchten des Großstadtdschungels. Die gekidnappten Sportler strampeln fortan auf einem Radsimulator der Mafia. Auf die Leistungen werden Wetten abgeschlossen.

Chomet bedient sich einer liebenswürdig antiquierten Bildsprache, die ihre Magie aus der Kunst der Überzeichnung schöpft. Das Ergebnis ist ein wahres Feuerwerk an originellen Karikaturen, Zitaten und Anspielungen, wobei die Bandbreite von einer unübersehbar übergewichtigen Freiheitsstatue bis hin zu unentwegt Frösche fressenden Französinnen reicht. Da "Belleville Rendezvous" - so der Originaltitel - im Stil eines Stummfilms inszeniert ist und fast gänzlich auf Dialoge verzichtet, lenkt nichts von den faszinierenden Bildwelten Chomets ab.

MICHAEL STADLER

© SN

 

diese seite | 10.05.2004 | 15:16

Daten und Fakten

Regie: Sylvain Chomet

Genre: Animation, Komödie

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