|
Mike Myers und Alec Baldwin als Härtetest
Wie mag der absolut schrecklichste Tag aussehen, den man in einem Freizeitpark erleben kann? Wenn man "Ein Kater macht Theater" gesehen hat, hat man eine Vorstellung davon. Den Film kann man, wenn man es gut meint, als Härtetest oder arg gewöhnungsbedürftig bezeichnen. Wird man direkt, kann man sagen, dass er schlimm ist.
So hysterisch und grell-bunt, dass man die Augen schließen möchte. Und so kindisch, dass jeder PISA-Test sinnlos erscheint. Der Inhalt dreht sich um einen Nachmittag im Leben der zwei Dreikäsehochs Conrad und Sally, die unbewacht das Haus ihrer allein erziehenden Mutter in alle Einzelteile zerlegen. Behilflich ist ihnen dabei ein Fantasykater in Menschengröße (Mike Myers), der einfach so aus dem Nichts auftaucht und die Anarchie ausruft.
Das Tier sieht aus wie ein misslungenes Experiment aus Frankensteins Kabinett, unbegreiflich, wie man so eine Mega-Mieze zum Freund haben kann. Doch schon werden munter Kleckse auf Wände und Vorhänge plaziert, Dachlatten abgenommen und der Nachbar (Alec Baldwin) mit Schleim überzogen.
Im Rahmen einer Urschreitherapie mag diese gezielte Chaos-Orgie wertvoll erscheinen, als zahlender Kinobesucher aber will man das nicht sehen.
"Ein Kater macht Theater" ist nach "Der Grinch" die nächste Verfilmung eines Kinderbuches von US-Märchenonkel Dr. Seuss, der hierzulande eher unbekannt ist. Und wieder dominieren Kulisse und Effekte dermaßen, dass es der Geschichte die Luft abschneidet.
Ehrlicher Spaß wird durch aufgesetzte Fröhlichkeit verdrängt. Mal abgesehen davon, dass das Abenteuer seniorenfeindlich ist (die ältere, schlafende Babysitterin wird auf einem Kleiderbügel in den Schrank gehängt), ist auch nicht klar, wozu US-Superstar Myers mitspielt.
Er ist dermaßen verkleidet, dass man ihn nicht erkennt. Den Katzenjammer zu kritisieren macht dennoch wenig Sinn. Das Zielpublikum der Komödie liest nämlich keine Kritiken.
DANIEL RONEL
© SN
|