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Francois Dupeyrons Romanverfilmung mit Omar Sharif, auf den Spuren von Lessing.
Wenn ein bekennender Christ, nämlich der französische Dramatiker und Bestseller-Autor Eric-Emmanuel Schmitt, im Roman einen alten Muslim einen jungen Juden adoptieren lässt, liegt der Gedanke an Lessings weise, zeitlos gültige Ringparabel aus "Nathan dem Weisen" nahe. Der Film "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" nach dem gleichnamigen Bestseller von Schmitt wirkt weniger durch seine Rückschau in die 60er Jahre anachronistisch als durch die aktuellen Ereignisse wie der islamistische Terroranschlag in Madrid oder die Hinrichtung des Hamas-Gründers Scheich Yassin durch die Israelis.
Regisseur Francois Dupeyron setzt der grausamen politischen Realität sein gelbstichig koloriertes Filmmärchen entgegen, das großteils in der Rue-Bleue im Pariser Rotlichtviertel Pigalle spielt. Dort hat der Türke Monsieur Ibrahim, den sie nur "den Araber" nennen, sein Lebensmittelgeschäft. Und dort führt der heftig pubertierende Moses für seinen depressiven Vater den Männer-Haushalt. Für eine echte Auseinandersetzung mit dem Islam oder der jüdischen Religion nimmt sich der Film kaum Zeit.
Monsieur Ibrahim gewinnt seine All-Menschen-Liebe aus der Lektüre des Korans, wobei er die Zitate wie Blumen in seine Rede streut. Monsieur Ibrahim hängt dem Sufismus an, der mystische Frömmigkeit und reine Gottesliebe praktizierenden Richtung des Islams. Für den jungen Juden Moses bedeutet der Freitod des Vaters ein jähes Erwachsenwerden.
Pierre Boulanger wirkt trotz beachtlichen Charmes und Talents ein wenig zu glatt und ein wenig zu jung für die Rolle. Omar Sharif als Ibrahim der Weise lächelt sympathisch und endlos gütig.
Der die Langsamkeit preisende Türke reist schließlich mit seinem jüdischen Adoptiv-Sohn in seine Heimat, wo die tanzenden Mewlewije-Derwische zu Hause sind. Dort stirbt er mit einem glücklichen Lächeln. Der herangereifte Moses führt Monsieur Ibrahims Laden weiter und versucht kleinen Jungen, die wie er früher Sardinenbüchsen klauen, zu erklären, dass er kein Araber ist.
Ein schöner Film, der in vielen Filmzitaten aus der "Nouvelle Vague" und zahlreichen Pop-Oldies authentisch die 60er Jahre beschwört. Und seine Botschaft des religionsübergreifenden Multikulti-Miteinanders? Die hören wir wohl, allein es fehlt die Hoffnung . . .
GÜNTER VERDIN
© SN
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