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Bärenbrüder
Bärenstarke Lehre
Ein guter, alter Zeichentrick aus den Disney-Studios, allerdings mit einem erheblichen Mangel an zündenden Ideen.

Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben: Zumindest eine Klaue, wenn nicht gar einen Zahn vom Säbelzahntiger hätte sich Kenai als Amulett gewünscht. Statt dessen überreicht ihm die Schamanin beim Initiationsritus ein kleines Bärenfigürchen. "Liebe" sei fortan sein Lebensmotto, doziert die weise Frau.

Der draufgängerische Jungindianer im nach-eiszeitlichen Frühling empfindet das wie einen Tritt in die Magengrube. Ein ganzer Mann, nicht Waschlappen, will er sein! Draufgängerisch jagt er einem Bären hinterher. Der älteste Bruder, der ihn beschützen möchte, kommt bei der Bärenjagd ums Leben.

Aber weil Kenai seine Lektion auch danach noch nicht gelernt hat, greift der Geist des verstorbenen Bruders ein und verwandelt den hitzköpfigen "Kleinen" kurzerhand in einen Bären. Und siehe da: Mit treuherzigem Bärenblick betrachtet, schaut die Welt gleich ganz anders aus. Kenais Läuterung zum liebenden Kuschelbären ist nicht aufzuhalten.

Gleich ein paar Dinge stehen quer in diesem Disney-Zeichentrickfilm (dem 44. übrigens). Ein gerüttelt Maß von Menschenverbesserung gehört ja zum Genre, aber dieses Buch scheint unmittelbar aus einem Pädagogik-Proseminar zu stammen. Man merkt die Absicht und ist eigentlich von Anfang an verstimmt.

Der zweite Querstand: Hat dem "konventionellen" Zeichentrick nicht angesichts raffiniertester Computeranimation eigentlich längst die Stunde geschlagen? Tatsächlich haben die "Bärenbrüder" in den USA weit weniger eingespielt als "Nemo". Die Folge: Disneys Florida Animation Studios wurden geschlossen. Schade um die Begabungen der 250 Zeichner: Die Gletscherzungen-Landschaften dieses Films haben Stil.

Doppelt wiegt dieser Umstand, weil sich die Kreativität der "Bärenbrüder" nicht nur im Handlungsentwurf, sondern auch in den Dialogen und schließlich auch in der Detail-Umsetzung in Grenzen hält. Ein paar so herzige wie frustrierte Erdmännchen als Fauna-Lückenbüßer im bärenstark sich aufbäumenden Lehrstück in Sachen Liebe und Eintracht - das ist dürftig. Zugegeben: Die beiden Elche sind urkomisch. Und wenn sie einander beschuldigen, ein Mammut zu Schrott gefahren zu haben, so ist das ein Hauch von jenem Witz, der in solchen Filmen einfach Not tut.

"Bärenbrüder" ist das Zeichentrick-Debüt der Animatoren Bob Walker und Aaron Blaise, die auch bei "Pocahontas" ihre Zeichenstifte im Spiel hatten. Aus den Florida Animation Studios kamen "Mulan" und "Lilo & Stitch". Irgendwie sind die "Bärenbrüder" eine Mischung aus alledem, obendrein gewürzt mit "Bambi"-Nostalgie.

REINHARD KRIECHBAUM

© SN

 

diese seite | 12.07.2004 | 13:03

Daten und Fakten

Regie: Robert Walker

Genre: Zeichentrickfilm

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