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Anthony Minghellas Liebesgeschichte mit Nicole Kidman und Jude Law
Seit es Menschen gibt, gibt es Kriege. Seit es Kriege gibt, werden Menschen zerstört. Nicht nur ihre Leben sind in Gefahr, auch ihr Hab und Gut und ihre Lieben. Anthony Minghella ist ein Regisseur für breite Epen. Für Geschichten, die einen langen Atem benötigen, um erzählt zu werden. Für Geschichten, die dadurch zuweilen ins Langatmige abdriften.
"Unterwegs nach Cold Mountain" ist so ein Film. Eine tragische Liebesgeschichte bildet den Kern dieses breitwandigen Kriegsepos. Der amerikanische Bürgerkrieg ist zugleich Rahmenhandlung und Anlass dafür.
Die besser gestellte Ada Monroe (eine grazile Nicole Kidman, deren Gesichtsfarbe von blass bis blütenweiß reicht) verliebt sich in den schweigsamen einfachen Arbeiter Inman (ein in allen Posen fesch inszenierter Jude Law, mit eingedrecktem Arbeitergesicht).
Beide verbindet eine tiefe Zuneigung, die allerdings bloß in einem flüchtigen Kuss gipfelt, ehe Inman aus dem kleinen Städtchen Cold Mountain in North Carolina in den Krieg berufen wird. Und wie das bei echter Liebe so ist, verliert weder Inman am Schlachtfeld noch Ada im verwahrlosten Cold Mountain die Erinnerung an diesen Kuss.
Ada beschließt, auf Inmans Rückkehr zu warten. Und Inman kann trotz schwerer Verwundung nur überleben, weil in seinem Herzen ein Lichtlein namens Ada brennt. So ist das. Und weil ein Mann stets seine Frau erobern muss, beschließt Inman vom Krieg nach Hause zu gehen. Einfach so. Das ist Liebe!
Der Weg ist weit und mit etlichen Hindernissen gespickt: Mit ein Grund, warum wir auf das Ende fast 160 Minuten warten müssen.
Regisseur Minghella schwelgt nicht nur in malerischen Rückblenden, in denen Ada und Inman einander nä-her kommen. Er illustriert auch die Brutalität des Krieges mit ausufernden Schlachtszenen und untersucht die schwelenden Konflikte zwischen den zurückgebliebenen Frauen und jenen Männern, die sich um den Kriegsdienst irgendwie drü-cken konnten.
Da wird Nicole Kidman noch ein Quäntchen blasser, als ihr einer dieser Männer plötzlich an die Wäsche will. Noch dazu kehrt die Armut in das Städtchen ein und mit ihr die junge Ruby (Renee Zellweger samt zerknautschen Hamsterbacken), die Ada zu Hilfe eilt.
Anthony Minghella hat sich sehr genau an die Vorlage von Charles Frazier gehalten, was den Film ein wenig romanhaft erscheinen lässt. Außerdem hat Minghella Schwierigkeiten, vier Kriegsjahre in nur einem Film unterzubringen.
Dank Kameramann John Seale bietet "Unterwegs nach Cold Mountain" wenigstens schön fotografierte Bilder, wenngleich Schönheit im Krieg eigentlich nichts verloren hat.
MATTHIAS GREULING
© SN
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