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Eric Tills Kostümfilm "Luther" mit Joseph Fiennes, Peter Ustinov und Bruno Ganz
Zuckende Blitze, sintflutartiger Regen - ein junger Mann flieht in Panik und kommt zu Sturz. Aus dem von Todesangst gezeichneten und mit Schlamm verschmierten Gesicht ertönt der Schwur, fortan nur mehr Gottes Wort zu studieren. Die dramatisch inszenierte Einstiegssequenz von "Luther" lässt Schlimmes befürchten und Eric Tills Streifen über Leben und Werk des Reformators kann diese Befürchtung über 121 Filmminuten hinweg nicht zerstreuen. Während des Abspanns drängen sich zwei Fragen auf: Weshalb zweifelte der Regisseur am Potenzial, das Martin Luthers Biografie für einen spannenden Film in sich birgt? Und warum vertraute er nicht stärker auf die Leistungen von Darstellern wie Bruno Ganz, Peter Ustinov sowie Joseph Fiennes?
Der Spagat, den Till zwischen historischer Authentizität, politischer Dimension und opulenter Visualisierung versucht, gelingt kaum. Immer wenn Analyse gefragt wä-re, flimmert Action über die Leinwand. Für einen Actionfilm ist "Luther" aber viel zu kopflastig. Die Dialoge zu Fragen über Macht, Religion, Gott und Moral erheben zwar einen gewissen intellektuellen Anspruch, gleiten aber ins Triviale ab. Das ist schade, denn Tills gut gemeinter Streifen enthält eine Vielzahl an interessanten Ansätzen.
Joseph Fiennes schlüpft in die Rolle von Martin Luther und versucht, der inneren Zerrissenheit dieser Persönlichkeit schauspielerisch Konturen zu verleihen: vom aufmüpfigen Studenten über den zweifelnden Mönch bis hin zum rebellischen Theologen, der den Machtkampf gegen die Kirche aufnimmt und dafür als Ketzer angeklagt wird. Peter Ustinov beeindruckt als Friedrich der Weise, Bruno Ganz als Luthers väterlicher Ratgeber. Matthieu Carrie`re verkörpert in der Rolle von Kardinal Jakob Cajetan perfekt die Arroganz der damaligen Kirche. Uwe Ochsenknecht wirkt hingegen als Papst Leo X. schlichtweg peinlich.
Eric Till reduziert das komplexe Thema der Reformation und die Biografie des Protagonisten auf einen klassischen Kostümfilm, dessen Handlung stets an der Oberfläche bleibt - "Theologie light" für Anfänger.
MICHAEL STADLER
© SN
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