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The Missing
Rauchende Colts
Renaissance eines Genres: Cate Blanchett und Tommy Lee Jones in Ron Howards bemerkenswertem Western "The Missing".

In Hollywood rauchen wieder die Colts. Nach Kevin Costners "Open Range" startet mit "The Missing" erneut ein Western in unseren Kinos. Diesmal sind die Zügel aber eindeutig in weiblicher Hand, nämlich in der von Cate Blanchett. Die gebürtige Australierin zählt zu den besten Schauspielerinnen ihrer Generation, manche verehren sie sogar als die charismatischste überhaupt. Warum, das zeigt sie in "The Missing", einem Western, der vor allem deshalb Spuren in der Kinolandschaft hinterlässt, weil sie ihm ihren Stempel aufdrückt.

Blanchett spielt Maggie, eine Frau, die das Leben stark und ein wenig hart gemacht hat. Gemeinsam mit ihren Töchtern lebt sie in einem entlegenen Haus irgendwo in der Wüste und kämpft sich leidlich durch. Als unvermittelt ihr verschollener Vater auftaucht (Tommy Lee Jones), der jahrelang bei den Indianern gelebt hat, verspürt sie keinerlei Interesse an einer Versöhnung.

Wenig später allerdings wird sie gezwungen, auf ihn zuzugehen, denn ihre ältere Tochter wird entführt und ihr Vater, der Fährten lesen kann, ist der Einzige, der in der Lage ist, sie wiederzufinden.

Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter und dem verhassten Vater reitet Maggie durch die Wüste, um ihr Kind vor dem Tod zu bewahren. Am Ende ist die Botschaft klar: Nur die Familie zählt, wer überleben will, muss zusammenhalten.

"The Missing" liefert aber nicht nur eine gängige Variante typischer Westernmoral, auch ansonsten ist alles geboten, was zum Genre gehört: Pferde, Cowboys, Indianer und eine ordentliche Ladung Action. Liebhaber des klassischen Westerns kommen voll auf ihre Kosten. Trotzdem, versichert Cate Blanchett, stehe für sie etwas anderes im Mittelpunkt: "Der Film ist im Kern eine Geschichte über Versöhnung und Erlösung." Diese Versöhnung zwischen Tochter und Vater geht nur hufbreit voran, jeden Zentimeter Nähe müssen sie sich erkämpfen und jede Nuance dieser sich wandelnden Beziehung fängt Cate Blanchett bravourös mit ihrem Spiel ein. Ihre Ausstrahlung macht den Film zu einem außerordentlichen Erlebnis.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Während die Story an mancher Stelle ein bisschen konventionell bleibt, ist die Kameraarbeit von Salvatore Totino unter der Regie von Ron Howard außerordentlich. Seine kargen Bilder aus der Steinwüste sind frei von jedem Kitsch und doch derart kunstvoll, dass man glatt die Indianer vergisst, die auf der Lauer liegen.

Wenn die Kinowelt nicht ohnehin gerade ein Revival des Westerns feiern würde, wäre "The Missing" bestimmt ein Anlass, das Genre wiederzubeleben.

SANDRA VOGELL

© SN

 

diese seite | 08.03.2004 | 11:25

Daten und Fakten

Regie: Ron Howard

Schauspieler: Tommy Lee Jones, Cate Blanchett, Eric Schweig, Evan Rachel Wood, Jenna Boyd

Genre: Drama

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