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Unzertrennlich
Riskanter Balanceakt
Aus dem Leben siamesischer Zwillinge schöpfen Peter und Bobby Farrelly den Stoff für ihre Komödie "Unzertrennlich".

Zu Figuren mit Behinderungen haben die Gebrüder Farrelly eine ganz besondere Affinität. So ließen sie das Kinopublikum über Kegel-Champions mit Handprothese ("Kingpin") ebenso lachen wie über schizophrene Streifenpolizisten ("Ich beide & sie") oder über geistig Beeinträchtigte ("Dumm und dümmer") - Film für Film ein riskanter Balanceakt auf einem zweischneidigen Schwert. Einerseits mögen solche Komödien bei einem breiten Publikum Verständnis für Menschen mit Handikaps wecken, weil die Annä-herung an die Problematik über Lachen erfolgt und damit entkrampfend wirken kann. Auf der anderen Seite geht der Humor immer wieder auf Kosten der Behinderten und bedient viele der Klischees, unter denen die Betroffenen zu leiden haben.

Auch "Unzertrennlich", der neueste Streifen, der von Bobby Farrelly in Szene gesetzt wurde - Peter Farrelly schrieb am Drehbuch mit -, muss mit gemischten Gefühlen betrachtet werden. Erzählt wird die Geschichte zweier Brüder, die an der Hüfte zusammengewachsen sind. Dass Bob und Walt wie Pech und Schwefel zusammenhalten, ist für beide eine Überlebensfrage. Dass sie völlig konträre Charaktere repräsentieren, erscheint wiederum für das Genre der Komödie als unumgänglich: Der von Matt Damon verkörperte Bob wird trotz der Behinderung als gefeierte Sportskanone gezeigt, der im Eishockeytor ebenso seinen Mann steht wie beim Boxen oder Baseball.

Walt, gespielt von Greg Kinnear, interessiert sich fürs Theater und träumt davon, Schauspieler zu werden. Zu diesem Zweck geht das ungleiche Paar nach Hollywood, wo Walt tatsächlich in einer TV-Serie Karriere macht. Bruder Bob wird mittels Bluebox-Technik einfach aus dem Bild retuschiert. Was vor der Kamera funktioniert, soll nach 32 gemeinsamen Lebensjahren auch auf dem Operationstisch vollzogen werden: die Trennung. Der lebensgefährliche Eingriff gelingt, doch ohne den anderen wird keiner glücklich und auf der Karriereleiter geht es für beide rasant bergab.

"Stuck On You" - so der Originaltitel - zeichnet sich durch einige berührende Momente aus, doch diese fallen dem wenig subtilen Humor zum Opfer. Szenen, in denen ein Bruder den Bus gerade noch erwischt und der andere dann außen mitgeschleift wird, sind Slapstick vom Dümmsten. Von der wilden Schlägerei in einer Bar bis zu sportheroischen Großtaten des siamesischen Zwillingspaars greifen die Farellys einige Male kräftig daneben. Geschmacklosigkeiten an der unteren Niveaugrenze waren auch in ihren früheren Komö-dien keine Mangelware.

Wirklich witzig ist die Komödie eigentlich nur, wenn Hollywoodstar Cher in die Rolle von Hollywoodstar Cher schlüpft und sich mit einer gehörigen Portion Ironie selbst karikiert.

MICHAEL STADLER

© SN

 

diese seite | 16.02.2004 | 13:13

Daten und Fakten

Regie: Bobby Farrelly

Schauspieler: Matt Damon, Greg Kinnear, Cher, Eva Mendes, Jay Leno

Genre: Komödie

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