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"MA 2412 - Die Staatsdiener" ist eine bunte Reise durch heimische Befindlichkeiten von einst und jetzt.
Die eitel geföhnte 80er-Jahre-Frisur von Herrn Weber, in Kombination mit dem farblich geschmackvoll komponierten Hemd aus Seidenimitat, macht schon was her. Aber auch Herr Breitfuß müht sich redlich, die optischen Nachteile, die ihm von der Natur mitgegeben wurden, zu korrigieren. Beim geträumten Staatsbesuch fliegt ihm allerdings durch einen Windstoß das Toupet vom Haupt. Die Frau Knackal wiederum beweist, dass auch an ihr - außer ihrer blonden Einfältigkeit - nichts echt ist.
Zusammen bestreitet man den Dienst in Wiens überflüssigstem Amt: Der MA 2412. Roland Düringer, Alfred Dorfer und Monica Weinzettl sitzen mit ihrer schrägen Beamten-Satire nun auch in den Kinosälen ihre Amtsstunden ab. Der Weihnachtsmann alias Herr Klaus wird wie eh und je von Karl-Ferdinand Kratzl dargestellt, oder umgekehrt, das weiß man nicht so genau.
Offensichtlich ist dagegen das Konzept, das die beiden Kabarettisten und Regisseur Harald Sicheritz bei der Umsetzung von "MA 2412 - Die Staatsdiener" verfolgten: Nicht eine überlange Folge der TV-Sitcom, sondern eine Art Vorgeschichte des Amts für Weihnachtsdekoration wird versucht. In halbdokumentarischer Form erzählt der Film, wie sich Breitfuß (Düringer) und Weber (Dorfer) dereinst überhaupt kennen gelernt haben; wie die Frau Knackal ins Amt geholt wurde, damit sie immer in der Nähe ihres Gschpusis, dem Herrn Obersenatsrat (Wolfgang Böck) weilen kann. Wie Weber sich in den 80er Jahren mit gebrauchten Stempelmarken ein illegales, aber einträgliches Zusatzeinkommen verschaffte. Wie Breitfuß seinen Vater im Amt beerbte und seither fest und fast unbeweglich im Amts-Sattel sitzt.
Aber "MA 2412 - Die Staatsdiener" weiß noch mehr: Nämlich, wie man beim Wiener Kongress oder auch im alten Rom mit der Obrigkeit umsprang, wie ein wildes Urvolk sich am Rande des Wienerwalds niederließ, wo heute die Stadt Wien steht, und auch, wie sich Breitfuß und Weber als trickfilmgewordene Dinosaurier entscheiden, doch nicht an Bord der Arche Noah zu gehen, weil die Warteschlange einfach zu lange ist.
In der Gegenwart wartet eine schier unlösbare Aufgabe auf die Beamten: Vor der Europäischen Kommission in Brüssel sollen sie einen Vortrag zum Thema Weihnachtsdekoration halten. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich, dass sich die träge Beamtenseele nicht nur in Österreich wohl fühlt.
Dorfer, Düringer und Sicheritz vermischten ihre Ideen zu einem großen Kessel Buntes, dessen Inhalt weit über die TV-Version hinaus geht. "MA 2412" ist weniger eine Komödie über Beamte, als vielmehr eine zynische Farce über Österreich und seine Geschichte. Mag diese filmgewordene, unterhaltsame Geschichtsstunde auch ein wenig an der Wahrheit vorbeischrammen - ihre amüsanten Übertreibungen und irrwitzigen Facetten stimmen froh.
Wer Spaß an der (keinesfalls böse gemeinten) Demontage der heimischen Befindlichkeit mit all ihren Zwischentönen findet, wird reichlich entlohnt.
MATTHIAS GREULING
© SN
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