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Barbara Albert reiht in ihrem Spielfilm "Böse Zellen" Episoden über die Unerreichbarkeit des menschlichen Glücks aneinander.
"Ich bin hier im Paradies", schreibt die Supermarktkassierin Manu in ihrem brasilianischen Urlaubsdomizil auf eine Ansichtskarte. Aber irgendwo im vermeintlichen Garten Eden holt ein Schmetterling leinwandfüllend zum berüchtigten Flügelschlag aus. Wer sich schon einmal mit der Chaostheorie auseinander setzen musste, der ahnt wohl, was folgt: ein schrecklicher Orkan. Und genau dieser bringt das Flugzeug, in dem Manu auf der Heimreise sitzt, zum Absturz. Die junge Wienerin hat allerdings Glück und überlebt als Einzige die Katastrophe. Sechs Jahre spä-ter meint es das Schicksal nicht mehr so gut mit der mittlerweile verheirateten Frau. Die Heimfahrt von einem Discobesuch endet mit einem tödlichen Frontalzusammenstoß.
Aus ihrer Anspielung auf die mathematischphysikalische Theorie von Edward Lorenz entwickelt Barbara Albert die Geschichte ihres zweiten Spielfilms: Kleine, unbedeutend anmutende Änderungen können kompakte Systeme gefährlich stören. Bedrohlich erscheint dabei, dass besagte Störungen keinen berechenbaren Gesetzmäßigkeiten folgen. Alberts "Systeme" sind die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer scheinbar wahllos zusammengewürfelten Protagonisten. Sie alle verbindet, dass sie in irgendeinem Zusammenhang mit der tödlich Verunglückten standen. Wie sich die einzelnen Episoden nach und nach zu einem Ganzen verdichten, erinnert unweigerlich an "Short Cuts". Dennoch ist "Böse Zellen" alles andere als eine österreichische Version von Robert Altmans Meisterwerk. Der amerikanische Altmeister beschwor die Magie des Alltags, während die Wiener Filmemacherin den Alltag als Kulisse für ihre Szenarien menschlicher Katastrophen einsetzt.
Das Ergebnis sind fragmentarische Schlaglichter auf eine zutiefst verunsicherte Gesellschaft, die sich mittels Konsum, Alkohol oder Sex vor der Sinnfrage drücken möchte. Dabei wollen doch alle nur ihren kleinen Anteil vom Glück oder was sie dafür halten: "Wir machen Sie glücklich", verspricht ein wiederholt ins Bild gerücktes Plakat auf der Baustelle einer "Shopping World".
Nach "Böse Zellen" muss der Name von Barbara Albert wohl in einem Atemzug mit Michael Haneke und Ulrich Seidl genannt werden. Die drei österreichischen Regisseure formulieren eine Filmsprache, die durch ihre nüchterne Distanz und Kälte, mit der die Abgründe der menschlichen Seele beleuchtet werden, zu irritieren versteht. Albert ist nicht ganz so zynisch wie Seidl und nicht derart provokant wie Haneke, doch keineswegs weniger mutig - eine unbequeme Filmemacherin, die sich an schwierige Stoffe wagt.
MICHAEL STADLER
© SN
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