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Das Trick-Abenteuer "Findet Nemo" aus den Pixar-Studios liefert eine Frischzellenkur für vertraute Disney-Originale
Jungfamilienglück in der geräumigflauschigen Anemone! "Hier draußen kann ein Fisch noch durchatmen", sagt die Mutter. Leider ist es eine ihrer letzten Ansagen, denn ein Raubfisch macht ihr und all dem hoffnungsvollen Rogen den Garaus. Bleiben das Waisenkind Nemo, neugierig und unternehmungslustig wie alle Kids, und Marlin, der Clownfisch-Vater, der Nemo umsorgt wie eine Glucke: "Was wissen wir vom Ozean?" Richtige Antwort für einen Fisch-Youngster: "Er ist gefährlich."
Die Kinobesucher haben es längst im Trailer gesehen: Vater und Sohn werden getrennt, und Nemo landet als Aquariumsfisch in einer Zahnarztordination. Denkbar schlechte Voraussetzungen für Familienzusammenführung, zumal der Doktor im fernen Sydney ordiniert. Da braucht's schon eine unterseeische Fernreise - und eine solche auf dem Rücken einer Meeresschildkröte hat auch für einen vom Schicksal gebeutelten Clownfisch hohen Unterhaltungswert.
Sollte jemand bisher daran gezweifelt haben, dass - selbst traurige - Clownfische "auch nicht lustiger sind als alle anderen": "Findet Nemo", der fünfte abendfüllende Film aus der Computeranimations-Wundertüte der Pixar-Techniker, liefert den Beweis. Sie sind alle urkomisch und manche von ihnen obendrein rotzfreche Flossenschläger.
Auf den ersten Blick mag eine Geschichte nach Disney-Art erzählt werden, von den großen Bedrohungen des kleinen Familienglücks. Im Detail ist das vertraute "Trickfilmpersonal" aber mit enormem Erfindungsgeist und überraschendem Mut zur Selbstironie mutiert worden. Eigentlich gibt es keine Bö-sen in der Story, die eben deshalb um vieles kleinkindgerechter ist als die meisten anderen Zeichentrickfilme. Man nehme nur die drei Haifische, die bedrohlich ihre spitzen Zähne blecken und doch nach der Devise leben: "Immer vegetarisch denken!" In der Selbstfindungsgruppe üben die Haie (Stimmen: Erkan und Stefan) neue Verhaltensmuster: "Fische sind Freunde, nicht Futter!". Grau ist bekanntlich alle Psycho-Theorie. Drum kommt es trotz Abstinenz der Hai-Softies wieder zu dramatischen Verfolgungsjagden.
Das große Flossenschlagen also, mit gefinkelter Ironie, grandios witzigen Dialogen und höchsten Sympathiewerten für jeden einzelnen Fisch. Einprägsame Charaktere schwimmen herum. Nicht jeder trägt Herz und Seele so auf der Zunge wie die vergessliche Sardinendame Dorie.
Die Mimik der Fische - ein Gedicht! Schier herzzerreißend die Fische im Aquarium: "Fische gehören nicht in einen Glaskasten - das schlägt aufs Gemüt." Also werden so raffinierte wie scheinbar hoffnungslose Ausbruchsversuche erdacht.
Apropos Quantensprung: Als Vorfilm ist eine Computeranimation aus der Ur-Zeit der Firma Pixar zu sehen: 1989, acht Jahre vor der "Toy Story", ließ der legendäre John Lasseter exotische Briefbeschwerer-Schönheiten lebensfroh zur Musik von Bobby McFerrin wippen. Ein cineastisches Gustostück.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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