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Hugh Grant und Emma Thompson in Richard Curtis' "Tatsächlich Liebe", dem Film zum Weihnachtspunsch
Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Liebe. Der Erfolgs-Drehbuchautor Richard Curtis ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") macht bei seinem Regiedebüt die Liebe zum Fest. E i n e Liebesgeschichte reicht Curtis nicht. Um aber gleich zehn "Beziehungskisten" im vorweihnachtlichen London - von der Schüler-Verliebtheit über die Ehekrise bis zur romantisch unerfüllten Büroliebe - auf die Reihe zu bringen, muss er kräftig und naturgemäß oberflächlich in den Schicksalen herumzappen.
Zu Beginn gibt es eine Hochzeit und einen Todesfall: zum Begräbnis wird ein Song der Bay City Rollers eingespielt. Die Pop-Musik (auch "Love Is All Around" aus "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" als Christmas-Song) ist übrigens ein integrativer Bestandteil des Films; sie sorgt nicht nur für emotionale Schwerpunkte, sondern auch dafür, dass der Streifen dramaturgisch nicht aus den Fugen gerät.
Zum Happy End für alle veranstaltet der Regisseur einen etwas konstruiert wirkenden Showdown am Heiligen Abend: der kleine Junge rast mit Papa zum Flughafen, um der nach Amerika zurückkehrenden Mitschülerin endlich seine große Liebe zu gestehen; der Schriftsteller düst nach Marseille, um dem portugiesischen Hausmädchen, welches ihn sommersüber im gemieteten Ferienhaus betreute, inmitten von deren zahlreichen Verwandten auf Portugiesisch einen Heiratsantrag zu machen; und selbst Hugh Grant, der charmant und liebenswert selbstironisch Hugh Grant spielt, welcher vorgibt, Premierminister von Großbritannien zu sein, setzt die Security auf Trab, um in London eine ehemalige Angestellte zu finden, in die er sich verliebt hat.
Auch für den Fall, dass der eine oder andere Zuschauer nicht alle Handlungsstränge in letzter Konsequenz zuordnen kann, ist "Tatsächlich Liebe" eine zwar entfesselte, aber doch intelligente Komödie, in der das recht profan zur Kulisse degradierte Weihnachtsfest den Menschen die Zunge löst und die Herzen übergehen lässt vor bis dahin nur köchelnden Gefühlen.
Richard Curtis' köstlichen Einfälle hätten bestimmt für mindestens zwei TV-Familien-Sitcoms gereicht. "Tatsächlich Liebe" ist also ein wundersam herzerfrischendes Weihnachtsmärchen, von britischer Schauspieler-Elite (darunter auch Emma Thompson) mit Hingabe veredelt. Nur Heike Makatsch bleibt als Sekretärin, die ihren verheirateten Chef anbaggert, bemerkenswert blass. Übertroffen wird sie noch von Claudia Schiffer in ihrem Kurzauftritt; sie darf eine Frau spielen, die Claudia Schiffer ähnlich sieht.
GÜNTER VERDIN
© SN
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