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Ein Zeitgeist-Roman als Liebeskomödie
Immer wieder, so heißt es ganz am Anfang, stechen einem diese rätselhaften Wesen ins Auge: "Ganz normale Männer, die einfach dastehen und gucken." Jedenfalls, solange sie sich unbeobachtet fühlen. Und worüber sinnieren all diese Löcherindie-Luft-Schauer? Über die erste, unbewältigte Liebe natürlich. Das Psycho-Rucksäckchen schleppen sie als Altlast in jede neue Beziehung weiter. Aber welche neue Freundin hat schon Freude mit Übergepäck auf der gemeinsamen Weiterreise?
"Liegen lernen" von Frank Goosen ist Trivialliteratur mit Lebenserfahrung und Beziehungskisten-Zeitgeist. Helmut (Fabian Busch) hat es - meist nacheinander und gelegentlich nebeneinander - mit einprägsamen Frauen zu tun. Mit der gefühlvollen Birgit Minichmayr (Britta) beispielsweise oder mit der zielstrebigen Fritzi Haberlandt (Fritzi). Oder mit der distanziertherben Sofie Rois (Barbara). Regisseur Handloegten hat also Schauspielerinnen zusammengetrommelt, die auf der Bühne und im Fernsehen erfolgreich sind.
Mit jeder seiner Freundinnen durchlebt Helmut glückliche Jahre. Es bleibt die Sehnsucht nach der Einen, Allerersten: Britta (Susanne Bormann), ein engelgleiches Blondchen, hat Helmut mit leidenschaftlicher Unnahbarkeit (was für eine Charakterkombination!) den Kopf verdreht. Leider krankt der Film an stockendem Erzählfluss und an der übergroßen Lust des Regisseurs, achtzehn Jahre Handlung jeweils auch zeittypisch auszumalen. Über Lokal- und Modekolorit vergisst man allmählich, dass diese liebenswerte und humorvolle Geschichte eigentlich auch pfiffig und leichtfü-ßig daherkommen könnte.
REINHARD KRIECHBAUM
Info: Frank Goosen: Liegen lernen. Heyne 20119, 349 Seiten, 9,20 Euro
© SN
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