|
"011 Beograd" des Salzburger Regisseurs Michael Pfeifenberger führt in ein Land, in dem die Jugend verzweifelt Perspektiven sucht.
Menschen auf der Suche. Die Erlösung, die mit dem Ende des Krieges kam, hat ihnen zwar das Leben gerettet, doch die Probleme begannen damit erst. Ein Land in Agonie, ge-ächtet von den politischen Mächten der Welt und gebrandmarkt als ewiger Krisenherd. Die Jugend im heutigen Belgrad - sie hat Frieden, aber keine Perspektiven.
Der Salzburger Regisseur Michael Pfeifenberger unternimmt in seinem neuen Film "011 Beograd" eine Reise in die serbische Hauptstadt. Der Bürgerkrieg scheint vergessen, die Zeichen stehen heute auf Aufbruch. Doch dahinter verbergen sich Ängste und Ratlosigkeit. Pfeifenbergers Film zeigt, wie junge Menschen in einer urbanen Umgebung ihre Ziele und Träume vor sich herschieben.
Drei Jugendliche im heutigen Belgrad mit ihren Sorgen, Problemen, aber auch Freuden: Danja scheiterte im fernen Berlin, Dejan möchte trotzdem dorthin, doch Maja, eine alte Freundin aus Schultagen, rät ihm davon ab. Dejan lässt sich aber nicht entmutigen und setzt alles daran, seinen Traum in Erfüllung gehen zu lassen. Politisches - und daraus resultierendes soziales - Chaos und Galgenhumor vereinigen sich zu einer Melange aus Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.
Die frühere kommunistische Ära ist in den Betonsilos der Vorstädte allgegenwärtig. Wie ein Gefängnis umgeben die Häuser ihre Bewohner, ein Entkommen oder einfach nur das Bemühen um eine Sinnsuche scheinen unmöglich. Pfeifenberger gelingt ein realitätsnaher, ergreifender Blick auf den Alltag.
Hoffnung, die jeder in sich trägt
Dennoch bewahrt sich der Regisseur, der "011 Beograd" an nur 12 Tagen mit minimalem Aufwand in serbischer Sprache drehte, Leichtigkeit im Umgang mit dem Thema. Die Hoffnung, die jeder in sich trägt, kann ein ganzes Volk vom Außenseiter-Dasein befreien - das ist seine Botschaft. Das Kriegstrauma, das in den Straßen von Belgrad nachwirkt, kann nur mit Mut und Optimismus überwunden werden.
MATTHIAS GREULING
© SN
|