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Eberhard Junkersdorfs Zeichentrickfilm "Till Eulenspiegel" zeichnet sich eher durch Turbulenz aus als durch Originalität.
Schmächtig ist er wie Pinocchio. Wenn er hektisch herumläuft, wirkt er auch wie ein animiertes Karikatur-Abbild von Roberto Begnini. Aber Till Eulenspiegel hatte wohl schon längst sein endgültiges Outfit, bevor der Film des italienischen Starkomikers in die Kinos kam. Zeichentrickfilme entstehen, wie man weiß, nicht von heute auf morgen. Und schließlich hat Till auch einige andere Wesensmerkmale: Die drei roten Haarschöpfe, die so spitz nach oben stehen, lassen auf einen Trotzkopf schließen. Die Sommersprossen hat er sich bei Pumuckl ausgeborgt.
Irgendwie hat Till Eulenspiegel von allen etwas, nur eines hat er nicht: einen wirklich eigenen Charakter. Und damit fügt er sich recht gut in einen Film ein, dem man als Ganzes diesen Vorwurf nicht ersparen kann. Schaut nicht schon der Soldat, der in einer der ersten Szenen das Stadttor bewacht, gerade so aus, als ob er aus einem Asterix-Heft entkommen wäre? Regisseur Eberhard Junkersdorf ist stolz, für "Till Eulenspiegel" fünfhundert Mitarbeiter aus aller Welt eingebunden zu haben. Die Produktion ist so angelegt, dass man sie überall wird zeigen und verstehen können. Die zeichnerische Eigenart scheint jedoch auf der Strecke geblieben zu sein.
Es wird keine der vertrauten Till-Eulenspiegel-Geschichten erzählt, der Zeichentrickfilm folgt einem ganz neuen Plot. Till hat einen Großvater, Mittelding zwischen Alchemist und Daniel Düsentrieb. Ein Betriebsunfall im Labor lässt ihn verschwinden. Till und seine Freunde - die Eule Cornelius, der Bäckerlehrling Lamme, schließlich Nele (die Tochter des Bürgermeisters), der Kind-König Rupert und dessen Lieblingsente Ducky - zaubern den Großvater wieder herbei. Außerdem machen sie den Plänen eines Bö-sewicht-Pärchens den Garaus.
Das klingt zusammengepappt aus geläufigen Handlungselementen? Wie auch immer: Die Geschichte wird spannend erzählt und junge Zuschauer dürften sich an den bewussten Anleihen und Handlungsklischees nicht so sehr stoßen.
Erwachsene können ja drauf achten, welche Stimm-Nuancen "Superweib" Veronica Ferres als Synchronsprecherin von Tills Freundin Nele hören lässt. Auch keine Offenbarung. Neles Vater, der Bürgermeister, wurde von Mario Adorf synchronisiert.
Das Original ist Englisch, der US-Fernsehkomiker Lee Evans lieh der Hauptfigur nicht nur die Stimme: Angeblich haben sich die Zeichner auch an seiner Erscheinung und seinem Gehabe orientiert. Ist Lee Evans womöglich deshalb erfolgreich, weil er von vielen klassischen Schalkfiguren etwas hat?
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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