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Twinni
Diesmal bleibt die Kirche im Dorf
Der erste Spielfilm von der Österreicherin Ulrike Schweiger

"Twinni": Der Eislutscher hat, wie alle Dinge im Leben, zwei Seiten. Die begehrenswerte ist die grüne, das wissen wir seit dem Kindesalter. Für die dreizehnjährige Jana sieht's im Moment aber nicht nach Grün aus. Janas Eltern haben sich scheiden lassen. Die Mutter ist mit dem Mädchen und ihrer Schwester zur Großmutter aufs Land gezogen. Neuorientierung ist angesagt, nicht nur familiär.

Jana kommt in eine fremde, etwas rückständige dörfliche Welt. Über das "Scheidungskind" wird bestenfalls getuschelt. Die Kirche spielt dort noch eine große Rolle, nicht nur als Sonntagvormittagsbeschäftigung. Janas Wunsch, Ministrantin zu werden, macht die Leute schier fassungslos. Aber ausgerechnet zum Pfarrer fasst Jana schnell Vertrauen.

"Twinni" spielt 1980, in einer auf den ersten Blick unkompliziertnostalgischen Welt. Tatsächlich, sagt die 34-jährige Regisseurin, sei es damals gerade für Scheidungskinder schwieriger gewesen als heute.

Pubertät, erste Liebe, Neuorientierung in sozialen Gruppen, neugierige Blicke auf das, was das Leben so bereithalten könnte. "Twinni" ist gewiss kein sozialkritischer Film geworden, sondern eine einfache Geschichte wird klar und schnörkellos und auch mit einem guten Schuss Humor erzählt.

So genau wie mit der Ausstattung ist Ulrike Schweiger in ihrem ersten abendfüllenden Film auch mit der Sprache der Kinder umgegangen. Zwischen Mundart (der Dorfkinder) und dem, was Wiener für Hochsprache halten, wird sorgsam differenziert. Die Kinder sprechen und bewegen sich vor der Kamera ganz natürlich. Da hat die junge Regisseurin eine vergleichbar gute Hand wie Wolfram Paulus, an dessen Filme man sich öfters erinnert fühlt.

Mehr darf man von "Twinni" nicht erwarten, denn Ulrike Schweiger und Co-Autor Michael Tanczos sind keine Gesellschaftskritiker, sondern in erster Linie genaue Beobachter. Die Kirche bleibt im Dorf - und sie bleibt auch nicht menschenleer.

In der ersten Kameraeinstellung sehen wir, wie Jana liebevoll über den dicken Panzer ihrer Schildkröte streichelt. So wie der "Twinni"-Eislutscher ist das natürlich symbolhaft gemeint. Jana braucht fürs Erste eine dicke Haut.

REINHARD KRIECHBAUM

© SN

 

diese seite | 13.10.2003 | 14:28

Daten und Fakten

Regie: Ulrike Schweiger

Schauspieler: Diana Latzko, Maria Hofstätter, Ingrid Burkhard, Franz Weindl, Erika Mottl

Genre: Komödie

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