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Puccinis "Tosca", verfilmt von dem französischen Regisseur Benoit Jacquot
Der Bösewicht Scarpia sitzt bei Tisch, spielt mit dem Messer und erklärt mit eisiger Miene seine Liebes-Unfähigkeit. Das Gesicht des Sängers Ruggero Raimondi spiegelt sich auf der funkelnden Klinge als Fratze, wie eine doppelt gefährliche Karikatur.
So nahe ran kommt nur die Filmkamera. Andere Szenen, etwa die Liebesbeteuerungen zwischen Tosca (Angela Gheorghiu) und dem Maler Cavaradossi (Roberto Alagna), verlangten eher nach Distanz: Das sind eben Spannungen, denen sich jeder Regisseur eines Opernfilms stellen muss.
Benoit Jacquot mischt in die in distanzierendem Playback aufgenommene, durchwegs altväterlich wirkende Inszenierung zwei weitere Ebenen ins Tonaufnahme im Studio ist in Schwarzweiß gefilmt. Dazu kommen kurze, verfremdete Schauplatz-Impressionen. Beide Elemente erweisen sich als wichtig dann, wenn Theateratmosphäre abgeht und im Film durch Orchesterpassagen Längen entstünden. Wie soll man nach Toscas Sturz noch einen Film-Nachspann unterbringen? Der macht nach dem letzten Orchesterakkord einen raffinierten, scharfen Schnitt zurück ins Studio. So werden der Moment größter Anspannung und die spontan einsetzende Gelöstheit der Musiker auf intensive Weise eingefangen. Die Inszenierung ist von durchaus mutigem Historismus getragen. Benoit Jacquots "Tosca" - gedreht auf Originalschauplätzen - wirkt nicht "gemacht", sondern aus der Tradition gewachsen. Staub wegzublasen war Jacquots Sache wohl nicht.
Interessant ist die Lösung, zu trennen zwischen dem, was die Figuren sagen/singen und dem, was sie denken (da läuft der Ton ohne Mundbewegungen weiter). Es wird nicht getan, als ob - das Playback ist immer ersichtlich.
In Salzburg ist Raimondi zurzeit in der Rolle der vier Bösewichter in "Hoffmanns Erzählungen" zu sehen. Sein "Scarpia" steht noch um einiges drüber - allein seinetwegen muss man diese "Tosca" im Salzburger "Das Kino" eigentlich gesehen haben.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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