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Nach vier Jahren Pause kehrt "Neo" Keanu Reeves am kommenden Mittwoch mit "Matrix Reloaded" ins Kino zurück.
Wenn ein Film zwischen Lü-ge und Wahrheit, Vision und Realität pendelt, ist das an sich reizvoll, unabhängig von der gewählten Thematik. Das hat schon Alfred Hitchcock gewusst, der Meister der Suspense. Auch andere Regisseure haben sich dieses Spannungsfeldes bedient. Seit es Computer gibt, die zusammen mit dem Internet beginnen, vom Alltag häppchenweise Besitz zu ergreifen, gibt es aber nicht nur Lüge und Wahrheit, sondern auch einen virtuellen Faktor, der im Cyberspace wahr und falsch sein kann. Die Perspektive macht den Unterschied.
Die Brüder Larry und Andy Wachowski, leidenschaftliche Computerspieler, haben als Erste den Cyberspace wirklich filmisch ernst genommen und in einen bahnbrechenden Thriller verpackt, der das Science-Fiction-Genre revolutioniert hat. "Matrix" (1999) hieß dieser erste Cyber-Thriller, in dem künstliche Intelligenz und virtuelle Realität nicht mehr nur Hilfsmittel für packende Actionsequenzen waren, sondern Angelpunkte der Handlung.
Künstliche Intelligenz aus ferner Zukunft
Der Film "Matrix" erklärt die uns bekannte heutige Welt zu einer einzigen gigantischen Computersimulation, die von ferner Zu-kunft aus von intelligenten Maschinen gelenkt wird. Die Matrix selbst ist jenes Steuerungsorgan, mit dessen Hil-fe diese Maschinen den unwissentlich zu Sklaven gewordenen Menschen eine scheinbar normale Welt vorgaukeln. Natürlich muss es gegen so ein System Rebellen geben. Natürlich stehen sie auf verlorenem Posten. Aber ebenso natürlich gibt es einen Funken Hoffnung, der in "Neo" (Keanu Reeves) Fleisch und Blut angenommen hat. Und der nicht nur als Datei in der Matrix existiert.
Neo soll der Auserwählte sein, der die Menschheit rettet. Daran glaubt Rebellenanführer Morpheus (Laurence Fishburne), der alle Hoffnung auf Neo setzt. Und am Ende des ersten Films wird Neo, der Eleve, tatsächlich dem Anagramm gemäß zu One, dem Einzigartigen, der den Maschinen, die ihre Scheinwelt mittels übermächtiger "Agenten" überwachen, Paroli bieten kann.
Die beiden neuen Filme "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolution", die noch heuer in die Kinos kommen, spinnen dieses Sujet weiter.
Letzte Zuflucht der Menschen
Es ist kein Zufall, dass nach der in Neuseeland entstandenen Trilogie des "Herrn der Ringe", die ebenfalls heuer abgeschlossen wird, große Teile der anderen beiden Filmevents des Jahres, der neuen "Matrix"-Filme, nicht in Hollywood, sondern in Australien entstanden.
Der Cyberspace und die virtuelle Realität als Filmthema: so erreicht die Gedankenwelt eines William Gibson ("Neuromancer") oder Howard Rheingold das Kino - fernab von den spielerischen Versuchen wie Disneys "Tron", der Fingerübung "Johnny Mnemonic" (ebenfalls mit Keanu Reeves in der Titelrolle) oder Stanley Kubricks von Steven Spielberg vollendete "A.I.".
Neo tritt in den beiden neuen Filmen wieder gegen den brutalen Agenten Smith (Hugo Weaving) an, der nur ein Computerprogramm ist und willkürlich die Identität jeder Persönlichkeit aus der Matrix annehmen kann. Diesmal vermag er sich zusätzlich, einem Computervirus gleich, hundertfach zu klonen.
Die Handlung von "Reloaded" konzentriert sich auf das Computersystem der Matrix und die letzte Zuflucht der nicht versklavten Menschen, die in der realen Stadt "Zion" nahe dem Erdkern leben müssen. Diese Metropole war im ersten Film nicht zu sehen. Sie muss nun gegen die Armeen der Maschinen verteidigt werden.
Ein Kriegsfilm mit viel Herz
"Es ist ein Kriegsfilm mit viel Herz", verriet "Trinity" Carrie-Ann Moss einem US-Magazin. Die Brüder Wachowski freilich sind, auf den Spuren von Stanley Kubrick, kontaktscheu und verweigern jedes Interview. Sie wollen ihr Werk für sich sprechen lassen.
Die Produktion der beiden neuen "Matrix"-Filme wurde nicht nur durch aufwändige Vorbereitungen, sondern auch durch tragische Ereignisse gebremst. Die tödlich verunglückte Sängerin Aaliyah hätte eine Hauptrolle spielen sollen. Dann kam der 11. September. Schließlich starb auch noch Gloria Foster, die im ersten "Matrix"-Film die Schlüsselrolle des Orakels übernommen hatte.
Neben Morpheus und der bewährten Trinity gibt es in den Fortsetzungen neue Figuren: etwa die undurchsichtige, verführerische Persephone (Monica Bellucci), Morpheus' ehemalige Geliebte Niobe (Jada Pinkett-Smith) und schrille menschenjagende Albino-Zwillinge.
Beide Filme wurden parallel in einem Arbeitsgang binnen 18 Monaten an 270 Produktionstagen gedreht.
PIERRE A. WALLNÖFER
© SN
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