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Peter Mullans mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneter irischer Film.
Das Publikum war polarisiert, und nicht nur die Stellungnahmen im "Osservatore Romano" fielen deftig aus. Von dieser Seite, versteht sich, vernichtend für den Regisseur. Der "Goldene Löwe" für Peter Mullan und seinen Film "Unbarmherzige Schwestern" erhitzte in Venedig 2002 die Gemüter, obwohl man dem Publikum dort kaum den Vorwurf übertriebener Bigotterie wird machen können. Außer Streit steht die cineastische Qualität.
In dem irischen Film wird ein Stück lokaler kirchlicher Zeitgeschichte aufgearbeitet. Im "wertkonservativen" Irland haben sich rigorose Maßnahmen gegen "gefallene" Mädchen, gegen ledige Mütter hartnäckiger gehalten als sonst irgendwo in Europa. Mit diesen Vorwürfen war man auch im 20. Jahrhundert schnell bei der Hand. Die von ihren Familien verstoßenen jungen Frauen kamen in so genannte "Magdalenenheime" (nach Magdalena, dem bekehrten Freudenmädchen aus dem Neuen Testament). Das waren von geistlichen Schwestern geführte geschlossene Anstalten, die Wäschereidienste übernahmen. 30.000 Frauen sollen so außerhalb jeder Rechtsnorm festgehalten worden sein. Man glaubt es nicht: Erst 1996 wurde das letzte Magdalenenheim in Irland aufgelassen!
Befohlene Läuterung
Dass die vom Schicksal ohnedies schon vorher ordentlich durchgebeutelten jungen Damen in den Schwestern keine Sympathisantinnen gefunden haben, ist psychologisch einleuchtend. Peter Mullan trieb die Sache aber auf die Spitze. Er zeichnet am Beispiel einiger angeblich wahrer Fälle (die betroffenen Frauen leben noch) ein krasses Bild von militantem Sadismus.
Ist es denkbar, dass die (Un-)Barmherzigen Schwestern den Mädchen nicht einen Funken Menschlichkeit entgegenbrachten? Wie viel Recherche, wie viel Polemik steckt dahinter? Dass der Regisseur der Kirche etwas am Zeug flicken wollte, ist klar. Gerade das nagt an der Glaubwürdigkeit des Streifens.
Psychologie interessierte den Regisseur nur auf der Opferseite: Die Hilflosigkeit, die Ausweglosigkeit, die verzweifelten Blicke der Mädchen, die drückende Isolation - das ist (vorwiegend mit Laiendarstellerinnen) eindringlich vermittelt.
Weit weniger Augenmerk hat der Regisseur der Gegenseite geschenkt. Waren womöglich die Schwestern ihrerseits Getriebene, psychisch weit überfordert mit der ihnen aufgetragenen "Läuterung" von jungen Mädchen? Im Film sieht man ausschließlich unmenschliche Furien im Ordenshabit.
Peter Mullans Film steht für deftiges, polemisches, eine Reaktion herausforderndes Erzählkino. Dass in den "Magdalenenenheimen" im Namen der Religion unglaublicher Psychoterror gemacht wurde, steht außer Zweifel. Ebenso klar ist freilich, dass dieses Verständnis von Läuterung längst passé ist.
REINHARD KRIECHBAUM
© SN
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