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Dustin Hoffman und Susan Sarandon in Brad Silberlings Familiendrama ohne Pathos.
Zur falschen Zeit am falschen Ort - und von einer Sekunde auf die andere nimmt das Leben einen völlig unerwarteten Lauf. Plötzliche Tragödien stellen Menschen auf eine harte Probe, denn der Grat zwischen Bewältigung und Scheitern ist ein schmaler. In dieser Situation findet sich die Familie Floss wieder, nachdem ihre einzige Tochter drei Tage vor der geplanten Hochzeit in einer Bar erschossen worden ist: Ein schrecklicher Zufall, denn der Täter hatte es eigentlich auf jemand anderen abgesehen.
Wie unterschiedlich Menschen mit Trauer umgehen, stellt Brad Silberling in den Mittelpunkt seines Films "Moonlight Mile", der von den schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller getragen wird. Susan Sarandon verkörpert die Mutter, die sich in ihren Zynismus flüchtet, dort aber erwartungsgemäß keinen Halt findet. Das manifestiert sich unter anderem darin, dass sie ihren Beruf als Schriftstellerin nicht mehr ausüben kann. Der Todesfall hat in ihr eine Schreibblockade ausgelöst. Dustin Hoffman erweist sich in der Rolle des Vaters als emsiger "Trauerarbeiter", der das Geschehene zu verdrängen sucht, indem er sich ganz auf seinen Beruf als Immobilienmakler konzentriert.
Die darstellerisch schwierigste Aufgabe hatte zweifelsohne Jake Gyllenhaal als Joe zu lösen. Hinter der Fassade seines unsicheren, manchmal etwas dümmlich wirkenden Lächelns schlummern quä-lende Albträume. Einem solchen sieht er sich auch in der Realität ausgeliefert, denn die trauernden Eltern, bei denen er weiterhin wohnt, haben ihn quasi als "Ersatzkind" adoptiert. Er ist zu schwach, um sich gegen die Vereinnahmung aufzulehnen. Und ihm fehlt der Mut, den beiden zu sagen, dass er gar nicht ihr Schwiegersohn geworden wä-re. Das vermeintliche Brautpaar hatte nämlich beschlossen, die Hochzeit platzen zu lassen und fortan getrennte Wege zu gehen. Als sich Joe dann auch noch in ein anderes Mädchen verliebt, droht die Situation zu eskalieren.
Im ausgezeichnet besetzten Film - Holly Hunter ist übrigens als ehrgeizige Staatsanwältin zu sehen - macht Gyllenhaal neben Stars wie Sarandon und Hoffman eine sehr gute Figur. Brad Silberling gewährt den Darstellern in seinem kammerspielartig inszenierten Streifen wohltuend viel Raum zur Entfaltung der Charaktere. Seine Handschrift als Regisseur hinterlässt er in visuell kreativen Szenen, mit denen er den Zeitgeist der siebziger Jahre in der amerikanischen Provinz einfängt, und im geschickten Umschiffen von emotionalen Klischees. "Moonlight Mile" zeigt, dass Gefühlskino auch ganz ohne Pathos funktioniert.
MICHAEL STADLER
© SN
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