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Noch vor einem Vierteljahrhundert war "El Ghardaka", so wird Hurghada auf arabisch bezeichnet, ein verträumtes Fischerdorf, fernab jeglicher Bekanntheit, ...
... ehe der ehemalige General Yussuf Affifi in der malerischen Lage des Ortes die Chance erkannte, diesen zu einem Bade- und Taucherparadies zu erschließen.
Die Wüste präsentiert sich aus der Vogelperspektive in verschiedenen Farben, von ocker oder hellbraun bis grau. Wild zerklüftete Gebirge erheben sich aus den sandigen, unbewohnten Ebenen. Die Maschine setzt zum Landeanflug an. Die Küste wird sichtbar. Das Rote Meer scheint auch das Spiel mit den Farben zu beherrschen, in Küstennähe ist das Wasser türkis, geht langsam in ein immer dunkler werdendes Blau über. Surfer sausen über die gischtenden Wellenkämme. Weiter draußen tauchen einige Fischerboote auf.
Für das einst kleine Dorf Hurghada war der Fischfang der Haupterwerbszweig, ehe die herrlichen Strände, die Korallenriffe und das glasklare Wasser den Touristen aus aller Welt als Zutaten für einen Traumurlaub verkauft wurden. Milder Wüstenwind umspielt das Gesicht des Besuchers, der aus dem winterlichen Europa kam, das Sonnenlicht spiegelt sich in den Fenstern des Flughafengebäudes. Die untergehende Sonne taucht die Landschaft zunächst in orangerotes, dann langsam in violettes Licht. Die Wüste bereitet sich auf die Nacht vor und die zerklüftete Gebirgskette entlang der Straße wirkt wie die Kulisse eines überdimensionalen Theaters.
Der Reisebus fährt an einigen Feriensiedlungen vorbei, die, mitten in der Wüste, wie futuristisch anmutende Städte wirken. Auch die rötlichbraunen Kuppeln des Makadi-Beach Hotels sind im Licht der einfallenden Dämmerung gut erkennbar. Die Bungalows sind durch Wege miteinander verbunden, dazwischen vermitteln kleine Gärten mit Palmen und einer Vielfalt farbenprächtiger Blumen den Eindruck, in einer Oase angelangt zu sein. Die abendliche Wüstenluft ist trocken, aber kühl, und spendet dem mü-den Reisenden erquickenden Schlaf. Tiefblauer Himmel und ein Blick auf die Dünen der Wüste erhöhen die Vorfreude auf das Kennenlernen der Landschaft.
Mit einem alten klapperigen Taxi gelangt man in die Stadt Hurghada. Handwerksbetriebe, in denen Schmuck und Reiseandenken hergestellt und verkauft werden, säumen die Straßen. In den Lokalen am Straßenrand sitzen die Einheimischen und unterhalten sich bei einem Glas Pfefferminztee. Die Häuser sind meist ebenerdig, die Höfe beherbergen Reparaturwerkstätten. Auf dem Markt verleitet den Betrachter das bunte und reichhaltige Angebot an Obst und Gemü-se zum Knipsen oder Kaufen.
Die eigentliche Attraktion bei diesem Ausflug wartet im Hafen von Hurghada: Ein großes Motorboot ankert an der Mole, die Dieselmotoren dröhnen und an Bord werden Prospekte des U-Bootes "Sindbad" verteilt, die einen Einblick in die flora- und faunareiche Unterwasserwelt des Roten Meeres gewähren.
Farbenprächtige Unterwasserwelt
Auf einer künstlichen Insel, mitten in der Bucht vor der Stadt, liegt das Unterwasserfahrzeug vor Anker. Es erinnert mit seiner gelben Lackierung ein wenig an das von den Beatles besungene "Yellow Submarine".
Das Boot sinkt langsam auf 32 Meter Tiefe. Die Unterwasserlandschaft präsentiert sich in einer Vielfalt an Farben, die von türkis über hellblau bis dunkelblau und grau reicht. Die Konturen des stählernen Buges eines versunkenen Fischerbootes werden sichtbar. Taucher treiben Schwärme von Fischen vor die Bullaugen des U-Bootes. Die Unterwasserwelt dieser Region kennenzulernen ist ein unvergessliches Erlebnis.
Einige Fahrgäste sind froh, im Hafen wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ein Restaurant mit dem Namen "Vienna" lässt die hungrigen Reisenden frohlocken. Sie delektierten sich wenig später an typischen Spezialitäten der ägyptischen Küche, wie "Kushari", einem Gericht mit Reis, Linsen, Nudeln und Zwiebeln, oder an "Tameya", einem Gemüsegericht. Doch die meisten genie-ßen, gekocht oder gegrillt, die "Früchte des Roten Meeres".
Unverzichtbar ist der Ritt auf einem "Wüstenschiff". Das Aufsitzen ist ein schwieriger Vorgang, ehe das Kamel seinen Reiter langsam und behäbig über Sand und Geröll trägt. Wenn man die Augen schließt, hat man den Eindruck wenigstens kurzzeitig auf den Spuren von "Lawrence of Arabia" zu wandeln.
Nach dem Genuss von Mystik und Einzigartigkeit der Wüste lockt wieder das Meer zu einer "Expedition" mit Flossen und Taucherbrille. Zum nächsten Riff in Ufernä-he beträgt die Entfernung ungefähr 50 Meter. Nach Durchqueren des flachen Wassers wird der Schwimmer hautnah mit der Farbenpracht der Korallen und Fische belohnt. Ein "Flötenfisch", der einem Bleistift ähnelt, verharrt regungslos vor den Augen des Schnorchlers und ein roter "Soldatenfisch" beäugt den Eindringling misstrauisch.
Hurghada oder "El Ghardaka" war einst ein verschlafenes Fischerdorf, ehe es durch den Bau von Süßwasser-Pipelines und der Errichtung eines funktionierenden Stromnetzes aus dem "Dornröschenschlaf" geweckt und den Touristen aus Europa zugänglich gemacht wurde.
Der Abschied von Hurghada, vom Roten Meer und von der Wüste fällt schwer, doch ein altes ägyptisches Sprichwort verheißt: "Wer einmal vom Wasser des Nils getrunken hat, der kommt immer wieder zurück in das Land der Pharaonen."
Autor/in: MICHAEL ELLENBOGEN
© SN.
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