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Es ist ein Reiseziel so recht nach dem Geschmack der Amerikaner. Vier ihrer bedeutendsten Präsidenten, in Granit gemeißelt, jeder Kopf 20 Meter hoch, gleich ein ganzer Berg als Denkmal, ...
... am schönsten im Vormittagslicht und abends dann ab neun zur Nationalhymne bunt angestrahlt.
Klar, das ist Mount Rushmore, von links nach rechts Washington, Jefferson, Lincoln und "Teddy" Roosevelt. Seit Cary Grant in Hitchcocks "Unsichtbarem Drittem" dort oben mit Gangstern gekämpft hat, kennt die ganze Welt das steinerne Ensemble.
Wer eine Reise in die Vereinigten Staaten plant, muss freilich eine Weile suchen, bis er den steingewordenen "Schrein der Demokratie" auf der Landkarte findet. Mount Rushmore liegt ein wenig abseits der großen Touristenziele des Westens, in den Black Hills, South Dakota. Dabei hätte die Gebirgsinsel zwischen den Rocky Mountains im Westen und der schier endlosen Prärie im Osten doch so viel zu bieten, noch dazu auf fast europäisch engstem Raum: 18 Gipfel über 2000 Meter, mit die längsten Höhlensysteme der Erde, geheimnisvolle Bergseen in dunklen Kiefernwäldern, prä-historische Mammutknochen in Hot Springs und die größte Konzentration freilebender amerikanischer Bisons überhaupt. Und dann wäre da noch das Klima, das angeblich so gesund sein soll, "dass du einen Mann erschießen musst, wenn du einen Friedhof eröffnen willst".
"Gold in den Black Hills!" Mit dieser Nachricht hatte General Lieutenant George A. Custer eine wahre Lawine losgetreten. Das "Dakota-Fieber" war ausgebrochen, über Nacht entstanden Städte wie Deadwood oder Silver City, wo für ein Säckchen Goldstaub alle Laster der Welt zu haben waren. Es war jene Zeit, die man später in Hollywood zum Wilden Westen verklärte, die Jahre der Revolverleute vom Schlag eines Sundance Kid, Wild Bill Hickok und der Calamity Jane.
Es war aber auch die Zeit, in der "Paha Sapa", das heilige Land der Sioux-Indianer, endgültig seine Unschuld verlor. "Das Land verkaufen oder verhungern" hieß die Wahl der sieben Stämme, deren Ahnen sich schon vor 1000 Jahren in den Black Hills und dem angrenzenden großen Meer aus Gras niedergelassen hatten. Vergeblich wehrten sich die Sioux gegen die Übermacht der Armee. Das Massaker am Wounded Knee und die Ermordung ihres Anführers Sitting Bull besiegelten 1890 ihre Niederlage.
Gold und Silber, aber auch der Abbau von schwefelarmer Kohle und Uran sind, neben dem Tourismus, die entscheidenden Wirtschaftsfaktoren in den Black Hills. Selten tritt dieser Rohstoffreichtum allerdings auch für Besucher so drastisch zu Tage wie am Riesenloch von Lead, wo die größte Goldmine der westlichen Hemisphäre, die Homestake Mine, besichtigt werden kann.
"Dritte Art" am "Devil's Tower"
Zu den Dingen, die man in den Black Hills gesehen haben muss, gehört "Devil's Tower", das älteste "National Monument" in den USA. Schon von Ferne stutzt man über den eigenartigen "Hackklotz" aus erstarrter Magma, der sich 264 Meter über die sanften Hügel Wyomings erhebt. Nach einer Indianersage ist der Turm in den Himmel gewachsen, um sieben Kinder vor den Klauen eines wütenden Bären zu retten. 1978 war Devil's Tower Hauptschauplatz im Film "Geheimnisvolle Begegnung der Dritten Art". 5000 Extrembergsteiger versuchen jedes Jahr auf einer der 220 Aufstiegsvarianten ihr Glück.
Gar zu Nationalparkehren hat es ein gewaltiges Labyrinth im Süden der Black Hills gebracht. Mit 114 Kilometern erforschter Gänge ist Wind Cave die siebtlängste Höhle der Welt. Ihren Namen hat die Höhle von einem gespenstischen Luftzug, der, je nach den Luftdruckverhältnissen an der Oberfläche, rein oder rauspfeift. Wer's gruselig mag, kann sich bei einer Kerzenschein-Tour 200 Meter unter der Erde das Licht ausblasen lassen.
Nicht minder reizvoll ist die Szenerie über Tage: eine unberührte Mischgrasprärie, wie sie einst so typisch war für diesen Strich Amerika. Entsprechend reichhaltig die Tierwelt, Präriefalken, Gabelantilopen, Maultierhirsche, Wapitis und natürlich Bisons. Wer von den scheinbar gemütlichen Kolossen mit Zottelfell und Knopfaugen nicht genug bekommen kann, sollte ein paar Meilen weiter im Custer State Park Halt machen. Dort lebt eine der größ-ten Herden des "American Buffalo" - 1400 Tiere von einstmals 60 Millionen.
Aus dem Grasland hinaus führt der Needles Highway in die höchsten Regionen der Schwarzen Berge. Wer Zeit hat, erklimmt vom geheimnisvollen Sylvan Lake aus den Harney Peak (2207 m).
Und dann wäre da noch der andere Berg, an dem sie schon seit zwei Generationen herummeißeln: das Denkmal für den legendären Oglalla-Häuptling Crazy Horse. Das gigantische Reiterstandbild gilt als indianisches Pendant zu Mount Rushmore, soll 170 Meter hoch und 200 Meter lang werden. 1948 hat der Pole Korczak Ziolkowski auf Einladung der Sioux mit seinem Lebenswerk begonnen, zum 50-jährigen Jubiläum der Arbeiten konnte das Gesicht des großen Kriegers fertiggestellt werden.
Wen nach so viel "Denkwürdigem" endlich das "Dakota-Fieber" gepackt hat, der kann sich wie vor 100 Jahren einfach mit der Goldwä-scherpfanne an einen Bach setzen und sein Glück versuchen - die Chancen, sagt man, sollen gar nicht so schlecht sein.
Autor/in: LOTHAR STEIMLE
© SN.
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