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Die Farben Südafrikas sind braun und grün. So scheint es zumindest vom Flugzeug aus. Doch bei der Landung verwandeln sich diese Erdfarben in ein farbigeres Etwas.
Aus dem konturlosen Braun werden plötzlich Berge, braune Berge, nicht grau und grün und weiß wie bei uns. Und das diffuse Grün verwandelt sich in saftige Felder, üppig grünende Bäume und von der Hitze vertrockneten Rasen.
Doch nicht nur die Farben, alles ist irgendwie konträr zu Österreich. Wenn man die grantelnde, leicht hochnäsige Mentalität vieler Österreicher gewohnt ist, verblüfft die herzliche Freundlichkeit der Menschen hier. Weiße, Schwarze, Farbige - ganz egal. Vielleicht hat das die junge Südafrikanerin gemeint, als sie mir schon im Flugzeug von der Schönheit des Landes vorschwärmte.
Die Luft sei so ganz anders als in Westeuropa, erzählt die seit vier Jahren in Deutschland lebende Frau: warm, weich, salzig. Und auch die Landschaft - gerade in Kapstadt, das auf so einmalige Weise viele Landschaftsformen vereint. Umgeben vom Atlantik und vom Indischen Ozean mischen verschiedene Klimazonen Wetter, Vegetation und Landschaft durcheinander. Und was ist mit der Apartheid? Ach das, meint die junge Frau, die gerade mit ihrer Tochter und einer Latzhose kämpft, dafür sei sie viel zu jung.
Jung? Wie alt mag sie wohl sein? Um die dreißig, vermutlich. Lächelnd erklärt die Schwarze, die ihre Tochter nun erfolgreich in die Hose gestopft hat, dass im Land am Kap zwar die Holländer noch immer allgegenwärtig seien, allein durch eine der offiziellen Landessprachen 'Afrikaans'. Doch das sei, so meint sie abfällig, bloß eine alte Form von Holländisch, sozusagen steckengeblieben vor ein paar Jahrhunderten.
Sie selbst habe sich irgendwann für Englisch entschieden, eine der anderen Amtssprachen (neben 13 regionalen, ebenfalls offiziell anerkannten Dialekten). Und tatsächlich, Englisch ist die vorherrschende Sprache - vor allem unter den Jungen. Unter den jungen Weißen, um genau zu sein. Denn auch wenn das Bildungssystem mittlerweile zu greifen beginnt, sprechen die Schwarzen und Farbigen aus den Townships Kapstadts immer noch eher Xhosa oder einen anderen der regionalen Dialekte als Muttersprache.
Trotzdem, mit Englisch kommt man gut durch. Vor allem im touristischen Zentrum, der Waterfront. Der ehemalige Frachthafen, der zur Touristenattraktion aufgepeppt wurde, bietet alles, was des Reisenden Herz begehrt: Essen aus aller Herren Länder, Handwerks- und Souvenirläden, Hotels, ein riesiges Einkaufszentrum. Und die Waterfront ist Ausgangspunkt zu einigen Sehenswürdigkeiten. Mit der Fähre gelangt man zu Robben Island, jener legendären Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela inhaftiert war. Mit dem Schiff ist man in knapp 20 Minuten auf dieser dem Kap vorgelagerten kleinen Insel. Pinguine tummeln sich hier ebenso wie Antilopen. Auf der Insel, die seit Beginn der Siedlungstätigkeit der Buren ein Gefängnis und eine Zeit lang sogar eine Lepra-Kolonie war, führen heute ehemalige Wärter und Gefangene durch das Gefängnis.
Nicht ganz so geschichtsträchtig ist ein Segeltörn rund ums Kap. Dafür hat man schöne Blicke und kann in aller Ruhe die Robben beobachten. Dick, faul und dennoch behende gleiten sie durch das Wasser, liegen an allen erdenklichen Stellen und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen.
Geschäfte abseits des Mainstreams
Capetown ist groß. Doch nicht so groß, dass man wichtige Stationen nicht zu Fuß erreichen könnte: Wunderschön ist - neben dem eher touristisch aufgeputzten Stadtkern mit dem Schloss und dem Rathaus - die Long Street. Zuckerlbunte Häuser aus der Jahrhundertwende erzeugen ein bisschen Louisiana-Feeling, hier leben und arbeiten viele Schwarze und Farbige, die Geschäfte sind 'authentisch', abseits des Mainstreams. Musikläden, Friseure, die in stundenlanger Kleinarbeit die berühmten 'beads' (kleine Zöpfe) flechten, Lebensmittelgeschäfte und kleine Gewerbetreibende bevölkern das ehemalige Rotlicht-Viertel.
Durch die Long Street gelangt man auch ins District Six, jenes Viertel, das in den Sechziger Jahren systematisch von der Apartheid-Regierung von den dort lebenden Schwarzen gesäubert und zerstört wurde. Den rund 80.000 Menschen wurde kaum erlaubt, das Allernotwendigste mitzunehmen. Um vier Uhr morgens kamen die kleinen Pritschenwägen, wo sich Familien mit ihren paar Habseligkeiten raufdrängen mussten. All das, was zurückbleiben musste (also praktisch alles, was die Menschen damals an kleinen Reichtümern besaßen: ein Röhrenradio, ein Gaskocher, ein bisschen Hausrat) wurde vernichtet - ebenso wie die Häuser, die zerstört wurden und später zum Aufbau der Waterfront verwendet wurden. Dann wurden die Menschen an den Stadtrand gebracht - und mussten wieder ganz von vorne anfangen.
Eindrucksvoll zeigt das Museum of District Six, wie aus dem blühenden Jazz-Viertel Kapstadts - der berühmteste Jazzer war wohl Abdullah Ibrahim, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dollar Brand - eine zerstörte und ausgelöschte Welt wurde.
Nach soviel geballter Historie tun ein kleiner Spaziergang und etwas Bergluft gut. Über die Long Street gelangt man zur Talstation des Tafelberges, den man zu Fuß oder mit der Seilbahn erreichen kann. Die Fahrt mit der Seilbahn ist kurz, aber außergewöhnlich, denn die Kabine dreht sich während der Fahrt. Nach ein paar Minuten Bergauffahrt kann man den sensationellen Blick über Kapstadt genießen, das (falsche, weil extra für Touristen befestigte) Kap der guten Hoffnung, die sich vermischenden Ströme des Atlantiks und des Indischen Ozeans betrachten und mit etwas Glück und bei guter Sicht sogar fast einen Blick auf den zum Greifen nah scheinenden Südpol erhaschen. Neben der Vielfalt an Pflanzen (1400 verschiedene Arten wachsen auf dem 1074 Meter hohen Tafelberg) erfreuen vor allem die Dassies, eine Art südafrikanische Murmeltiere, die Touristen. Achtung: Die possierlichen Tierchen beißen!
Zum Auskosten der Extreme
Das West End des Kaps lädt mit seiner wundersamen Mischung aus Klima, Kultur und Vegetation zu einem Auskosten der Extreme ein: Nach einem Vormittag im District Six und einer ausgedehnten Mittagspause am Tafelberg ist der Ausblick auf ein Bad im warmen Indischen Ozean sehr verlockend. Gute Zugverbindungen, aber auch günstige Sammeltaxis bringen Badelustige nach Muizenberg, das mit seinen bunten Badekabinen fast ein wenig an die noblen englischen Badeorte wie Brighton erinnert.
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