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Ein paar Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwankten drei Herren die Gangway eines Schiffes hinunter in den Hafen von Tunis. Sie versprachen sich viel von dem Aufenthalt hier, begierig nach dem Licht un den Farben Nordafrikas.
Einer von ihnen war der berühmte Maler Paul Klee.
Was sollen alle diese rosa angestrichenen Läden? Meine Frage muss Rashid, der mich vom Flughafen der Insel Djerba Houmt Souk zum Hotel bringen soll, ziemlich dumm erschienen sein, denn er schaut mich entsetzt an. "Ja, weißt du denn nicht, dass das Fleischerläden sind? - Ist das in euren Dörfern nicht so?"
Etwas später fallen mir in einigen Ortschaften merkwürdige "Tankstellen" auf. Bretterbuden, dicht an dicht gereiht, innen eine Pritsche für den "Tankwart", davor am Straßenrand Fässer und Kanister, gefüllt mit Benzin und Diesel. Schwarzmarkt-Treibstoff, viel günstiger zu haben als der normale, Herkunftsland Libyen.
Seit dem Amtsantritt Bourgibas 1956 herrscht allgemeine Schulpflicht, auch 60- oder 70-Jährige können Abendschulen besuchen. Allerdings bin ich durch Ortschaften gekommen, in denen es kein Gebäude gab, das auch nur entfernt an eine Schule erinnert hätte - und das nächste größere Dorf ist viele Kilometer entfernt.
Um von Djerba auf das Festland zu gelangen, muss man über den sieben Kilometer langen Damm fahren, den noch die Phönizier erbaut haben. Neben der Fahrbahn verläuft ein dickes Rohr, das den enormen Wasserverbrauch der Insel vom Festland aus sichert.
Matmata ist das bekannteste und wahrscheinlich größte Höhlendorf von Tunesien. Die gesamte Region war über Jahrhunderte ein Zufluchtsort für die Berber. Seit 5000 Jahren gibt es sie, ihre Herkunft ist geheimnisvoll, sie hielten dem Ansturm der Phönizier und nach der Zerstörung Karthagos dem der Römer stand. Heute ist ein großer Teil der Berber zum Islam übergetreten.
Der junge amerikanische Regisseur George Lucas war sofort Feuer und Flamme, als er 1976 hierher kam und die Landschaft zwischen Matmata und Nefts sah. Er beschloss, seinen Film "Krieg der Sterne" hier zu produzieren, und bereits einige Monate später begannen die Dreharbeiten.
Die einzigartige Bauweise der Höhlenwohnungen besteht in einem Krater von etwa zehn Metern Durchmesser, dies ist der Innenhof und gleichzeitig die Kochstelle. Von diesem Krater aus gehen sternförmige, waagrechte Stollen in die Behausung. Manche Räume sind sogar mit elektrischem Strom ausgestattet und recht komfortabel möbliert. Sie haben den Vorteil, in den heißen Sommermonaten vor der Hitze und im Winter vor der Kälte zu schützen. Für einen kleinen Obolus darf man sie besichtigen und wird von den Bewohnern freundlich empfangen.
Lieber Höhle als moderne Wohnung
In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde zehn Kilometer entfernt ein "neues" Matmata errichtet. Der forcierten Umsiedlung der Höhlenbewohner war aber nur geringer Erfolg beschieden. Nur wenige folgten dem Ruf, in einer modernen Wohnungen zu leben, nicht einmal der Anreiz von Schulen, sogar einem Gymnasium und einem Krankenhaus konnte sie zum Umzug bewegen.
In Metameur faszinieren die zweistöckigen, fensterlosen Speicher, die einst der Aufbewahrung von Lebensmitteln dienten. Der Ort ist Jahrhunderte alt, und in einigen Speichern haben sich Händler etabliert, andere werden noch als Lagerhallen genutzt. Hier zu übernachten hätte größte Toleranz erfordert - Gemeinschaftsduschen und Gemeinschaftstoiletten in der Unterkunft.
Gabes nicht zu besuchen wäre ein Versäumnis - nicht der Stadt wegen, sondern wegen seiner Oase. Obwohl Gabes in byzantinischer Zeit Bischofssitz war, gewann es erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Heute gibt es in Gabes eine Erdölraffinerie und ein Zementwerk. Für beide Betriebe ist der Hafen von großer Bedeutung - der paradiesische Gegenpol dazu ist die Oase.
Aus Platzmangel kommt in der Oase die so genannte "Stockwerk-Pflanzung" zur Anwendung: Hier wird nicht nur nebeneinander, sondern auch übereinander gepflanzt. Zu ebener Erde baut man Gemüse und Getreide an, Obst-, Mandel- und Olivenbäume sind im ersten Stockwerk "daheim", in der zweiten Etage "wohnen" die Dattelpalmen. Wie Adern durchziehen Kanäle die Gärten, die Oasenbauern können das Wasser mit Schiebern regulieren und zu den einzelnen Parzellen lenken. Mit Pferdekutschen, die am Eingang der Oase vermietet werden, durchfährt man den fruchtbaren Garten.
Auf dem Heimweg nach Djerba möchten wir nicht wieder über den Damm fahren. Man rät uns, die Fähre nach Adjim zu nehmen, denn von dort aus könnten wir in das Vogelschutzgebiet von Guellala mit seinen Reiher- und Flamingokolonien gelangen. Leider kein Vogel weit und breit. Wohl in den Urlaub geflogen!
Am nächsten Tag erkunden wir Djerba mit dem Fahrrad. Die Insel ist ideal dafür, weisen die Straßen und Wege doch kaum eine Steigung auf. Drahtesel sind in fast allen Hotels zu mieten.
Ob es wahr ist, dass die von Odysseus angesteuerte Insel der Lotophagen identisch ist mit Djerba, wie von Homer erwähnt?
Autor/in: EVA PALMER
© SN.
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