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Wie kann man in den Ferien ein bisschen Sightseeing betreiben, mediterranes Klima und fremde Kultur genießen und außerdem noch etwas für die Ausbildung tun? Mögliche Antwort: Sprachferien - in diesem Fall auf Malta.
Angefangen hat es mit einer als ehrenrührig empfundenen Note im Zeugnis. In Englisch. Vokabeln lernen und English Conversation wären wohl hilfreich gewesen, aber wie soll das hierzulande funktionieren? Einige Zeit in einem Land zu verbringen, in dem man englisch spricht, wäre optimal. Australien etwa, oder USA, oder Südafrika. Oder doch wenigstens England oder Irland.
Man ist ja nicht unflexibel, es gibt andere Möglichkeiten. In der Abendschule muss man sich schließlich auch zu helfen wissen - viele Wege führen nach Rom, heißt's doch immer. Englisch in Rom ist natürlich Schwachsinn, aber irgendwie hat mediterranes Flair schon etwas anziehendes . . .
Also hinein ins Internet. Nach einigem Stöbern wird klar: Malta heißt er, der Kompromiss aus Schule und Urlaub! Mittelmeer und English Language School, das müsste es sein. Im Reisebüro werden Informationen eingeholt, das Ganze wird konkreter. Billig ist es nicht gerade, doch für den guten Zweck . . .
Das Hotel ist im Kombi-Pack mit der Schule zu buchen, wobei es verschiedene Kategorien gibt. Zwei Wochen mit Frühstück ab etwa 1200 Euro in der Hochsaison. Diese findet hier von Juni bis September statt. Bei einer Gastfamilie ist's günstiger, Familienanschluss ist jedoch nicht jedermanns Sache.
Ganz so, wie man sich "Strandleben am Mittelmeer" vorstellt, ist es hier aber nicht. Für heutige Touristen ist völlig rätselhaft, warum sich Phönizier, Griechen, Römer, Araber und noch weitere, im Dunkel der Vorzeit verschollene Völker mit Piraten um die Inselgruppe mit ihren meist schroffen, steilen Küsten gestritten haben sollen. Aber vielleicht waren damals für diese Art "Touristen" die wenigen leicht zugänglichen Buchten mit Sandstränden ausreichend? Zum Ausgleich hat man aber praktisch überall einen traumhaften Blick aufs Meer, von dem aus ständig eine leichte Brise für angenehme Temperaturen sorgt.
Apropos Meerblick: Dieser ist aus dem Klassenzimmerfenster selten zu erhaschen. Je nach belegtem Kurs ist von etwa 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr Schule angesagt. Nachmittags gibt's oft Ausflüge und Exkursionen zu archäologischen Ausgrabungen. Alles auf Englisch natürlich, und begleitet von "native speakers". Am letzten Schultag gibt's wie überall auf der Welt ein Zeugnis, hier nennt man das "Certificate", of course.
Zurück zum Meerblick. Dieser ist von der Restaurantterrasse aus echt super, Essen, Wein und Service sind auch nicht schlecht. Für derlei sollte natürlich das Taschengeld schon reichen, dafür hat man sich mittels Ferialjob die finanzielle Basis geschaffen. Hoffentlich. Die Preise sind etwa wie bei uns. Günstiger fährt man in Einheimischen-Kneipen, was auch seine Reize hat, die Leute sind ziemlich nett. Für zwei Wochen muss man - bei nicht allzu hohen Ansprü-chen - mit etwa 200 maltesischen Lira, hierorts Pound genannt, rechnen, ein Pound entspricht 2,50 Euro.
Die klapprigen gelben Busse, die hier den öffentlichen Verkehr bewältigen, fahren auf der "falschen" Straßenseite. Das haben uns die Engländer eingebrockt, die letzten "Eroberer" der Insel.
Die Students, Pupils oder schlicht Sprachschüler rekrutieren sich hier zu etwa 70 Prozent aus deutschsprachigen Ländern. Also gewinnt in der Freizeit, sofern man sie mit Mitschülern verbringt, Deutsch rasch wieder die Oberhand. Aber das macht nichts, auch wenn Englisch neben "Malti" hier Amtssprache ist. Denn auf Malta geht's durchaus "babylonisch" zu, mit italienischen, französischen, spanischen, griechischen und arabischen Einflüssen in Architektur und Sprache.
Das manifestiert sich auch in den Namen. Die alte Hauptstadt Mdina (Imdiina gesprochen) ist sehenswert und einen Ausflug wert, ihr Name bedeutet auf arabisch "Stadt, von Mauern umgeben". Marsaxlokk (Marsaschlock ausgesprochen) ist der größte Fischerhafen Maltas, ebenso heißt ein durchaus trinkbarer Rotwein, der nur hier wächst. Zwischen Sliema, St. Julians und Paceville ist das touristische Angebot mit Hotels, Bars, Discos und Restaurants massiert.
Man darf gespannt sein, was sich ändert, wenn Malta nach der nächsten EU-Erweiterung gemeinsam mit neun weiteren Ländern Mitglied, ähem: "Member of EC", ist.
Autor/in: DORIS HAWELKA
© SN.
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