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Reiseberichte

Sehnsucht nach blau-grüner See
4. Jänner 2003
Unser Traum von der Karibik wird wahr in Varadero. Doch Kuba ist mehr als ein Super-Strand. Auf zur Entdeckungsreise!

Strahlende Sonne, weißer Sand, hellblaues bis smaragdgrünes Meer: Varadero auf der Halbinsel Hicacos ist der größte Tourismuskomplex auf der Insel Kuba und dieses Ferienparadies boomt, seitdem das wirtschaftlich kriselnde Land ganz auf den Devisenbringer Tourismus setzt.

Der Chemie- und Waffenproduzent DuPont hat sich einst in dieser Ecke Kubas eine prächtige Villa bauen lassen. Seine Sommerresidenz wird jetzt als Restaurant genützt, Spezialität: Langusten. Heute reihen sich hier die Luxushotels wie an einer Perlenschnur aneinander. Die Region soll ganz und gar zur touristischen Zone werden.

Im Volk heißt Varadero längst "die Sonderrepublik". Hier herrschen die reichen Reisenden aus der Ferne, die mit Dollar zahlen. Das ist eine Welt, die weit entfernt ist vom Alltagsleben der meisten Kubaner. Für die eingereisten Europäer gilt "all inclusive", die Einheimischen aber haben mit Engpässen zu kämpfen. Zwar leben auch knapp 15.000 Kubaner in Varadero. Doch der kubanische Staat biete ihnen bessere Wohnungen in der Umgebung, heißt es, damit sie diesen exklusiven Bezirk des Wohlstandes verlassen.

Aber auch der Fremde sollte sich losreißen von dieser Urlaubsidylle. Kuba ist viel zu schade für Ferienwochen, die nur ausgefüllt sind mit "Relaxen". Man muss unbedingt das Land und seine fröhlichen, sympathischen Menschen kennen lernen. Das geht inzwischen auch auf eigene Faust, mit einem Mietauto zum Beispiel.

Königspalmen im Yumuri-Tal

Auf nach Havanna also! Unterwegs kann der Reisende von Kubas größter Brücke ins Yumuri-Tal mit seinen Kö-nigspalmen hinunterblicken. Über einem Aussichtspunkt kreisen Truthahngeier. Vor einem Kiosk herrscht großer Andrang. Hier gibt es die landesweit beste Pina Colada. Sie schmeckt wirklich köstlich, weil sie ganz aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wird.

Dann geht's hinein in das "Oldtimer-Museum". Die Hauptstadt Havanna heißt deswegen so, weil ihre Bewohner bis heute die amerikanischen Autos aus den 50er Jahren aufpolieren und stolz mit diesen "Schlitten" herumkurven. Die ganze Stadt wirkt wie eine Schönheit aus früheren Tagen, die dringend neue Schminke auftragen muss.

Vor allem Alt-Havanna ist sehenswert: Viele alte Häuser sind mit Hilfe der UNESCO, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, inzwischen restauriert worden. Aber vieles verfällt noch und es wird wohl Milliardenbeträ-ge kosten, um alles wieder aufzubauen. Zu sehr nagt der Zahn der Zeit an den Gebäuden, zu stark setzt ihnen die scharfe Meeresbrise zu.

In der Altstadt Havannas sieht man die typisch kubanische Bauweise: Die Häuser sind karibisch bunt mit blauer, roter oder gelber Farbe bemalt. Sie haben Arkaden und schmale Balkone, die oft als Extra-Zimmer oder als Stauraum genützt werden. Schöne Innenhöfe (Patios) laden zum Betrachten oder zum Verweilen ein. Ein Bummel durch das alte Havanna zeigt zugleich die vielen Gesichter der Kubaner. Die Menschen dieses Landes reden viel mit den Händen, auch mit den Augen. Ein Zeichenkünstler etwa fertigt in Sekundenschnelle ein Konterfei des Besuchers an und überlässt es seinem "Modell" selbst, wie viel Dollar ihm das Werk wert ist.

Erfrischende Cocktails erhält der Stadt-Spaziergänger natürlich in den beiden berühmten Bars des Ernest Hemingway. An den Wänden des "El Floridita" hängen Bilder des amerikanischen Schriftstellers - einmal mit Kubas Führer Fidel Castro, einmal ohne ihn. Immer wieder schwappen Touristen herein, die sich zu einem Foto an der Theke aufstellen. Man trinkt hier einen "Daiquiri", dazu gibt es Chips aus getrockneten Bananen.

Foto-Galerie der "Profiraucher"

Klein ist "La Bodeguita del Medio", aber immer noch so groß, dass trotz der vielen Besucher zwei Einheimische in einer Ecke Musik machen können. Draußen sitzt ein Poet an seiner Schreibmaschine. Er wird später einer Fremden, die ihm gefallen hat, ein Gedicht überreichen. In dieser Bar trinkt man wie Hemingway einen "Mojito". Das ist eine Mixtur aus Rum, Limonensaft, Zucker, Soda und Eis - garniert mit einer Minze und garantiert süffig.

Etliche Entdeckungen bringt ein solcher Streifzug durch Alt-Havanna. So findet der Besucher im Innenhof eines kleinen Hotels ("Conde de Villanueva") eine Fotosammlung der besonderen Art: Die Galerie zeigt die "Profiraucher der Welt". Kaum zu vermeiden, dass man sich danach auch eine Zigarrenfabrik einmal anschauen möchte. Aber trotz der vielen Eindrücke ist die Metropole Havanna längst nicht das ganze Kuba - im Gegenteil.

Deshalb mit dem Flieger schnell einen Sprung in den "Oriente", in den Osten der Insel. Santiago de Cuba empfängt den Besucher, der abends eintrifft, mit kubanischen Rhythmen. Die ganze Stadt scheint voll mit Musik zu sein. Der Reisende, der das koloniale Hotel "Casa Grande" als Quartier für einen kurzen Schlaf gewählt hat, ist mittendrin im Geschehen. Gleich um die Ecke, in der Calle Heredia, liegt die "Casa de la Trova". Das ist das berühmteste Musiklokal der Insel.

Santiago ist die heimliche Hauptstadt

Einst ein Treffpunkt der Einheimischen, heute, weil Eintrittsgeld verlangt wird, vor allem ein Anziehungspunkt für die Touristen. Der Saal ist meist zum Bersten voll, die Tanzfläche vor dem kleinen Podium winzig. Fürs Luftschnappen gibt es glücklicherweise einen Balkon. Da lässt sich, im englischspanischen Mischmasch, gut mit Einheimischen plaudern. Man erfährt dabei, dass Santiago Kubas heimliche, eigentliche Hauptstadt sei, dass ihre Bewohner nicht gut zu sprechen seien auf die "hochnäsigen" Leute von Havanna.

Alle Nachtschwärmer werden spätestens beim Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels wieder munter. Man genießt den Blick über die Altstadt, man sieht bis zum Hafen. Und schon ist sie wieder da - die Sehnsucht nach der blaugrünen See.

Am Strand von Guardalavaca wird der Traum von der Karibik noch einmal wahr. Diesmal, sofern dies überhaupt möglich ist, noch um eine Spur perfekter: Sonne, aber auch Schatten, Sand, aber auch blühende tropische Pflanzen. Ein kubanischer "Cocktail" eben.

Autor/in: HELMUT L. MÜLLER

© SN.

 

diese seite | 07.01.2003 | 09:04

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