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New Orleans, Savannah, Charleston: In den drei Metropolen im Süden der USA ist in vielerlei Hinsicht die Zeit stehen geblieben.
Kleine, vornehme Stadtvillen und elegante Plantagenhäuser statt endlos hohen Bürotürmen, langsam vor sich hin wackelnde Tramways statt hektischen U-Bahnen, gemütliche Pferdekutscher statt gestressten Taxifahrern: Die Langsamkeit des Lebens im amerikanischen Süden hebt sich angenehm ab von der Betriebsamkeit der amerikanischen Großstädte.
Der Bürgerkrieg ist allgegenwärtig
Das war schon immer so. Automatisch stellt sich die nostalgische Erinnerung an eine ferne Pflanzer-Epoche ein, sobald man ankommt in den Küstenstädten des Südens, mit den prachtvollen Villen, in denen vor 150 Jahren die reichen Sklavenhalter die schwülen Sommermonate verbrachten.
Die Highlights liegen allesamt am Golf von Mexiko und an der Atlantikküste und hei-ßen New Orleans, Savannah und Charleston. Alle drei Städte sind "Southern Belles", Perlen des Südens mit groß-artigen Bauten aus der "Antebellum-Zeit", der Zeit vor dem Bürgerkrieg (1861 - 1865), die den Süden und seine Bewohner geprägt hat.
Und doch hat jede Metropole ihr eigenes Flair. New Orleans etwa. Schon der Landeanflug über den scheinbar endlosen, braunen, schlammigen Mississippi, den die Indianer als die Mutter aller Flüsse verehrten, und über die weiten Sümpfe rund um die Stadt, ist ein Erlebnis für sich. In der Stadt selbst pulsiert das Leben. Die Menschen sind locker, hilfsbereit, zwanglos. Wohl nur in New Orleans trifft man auf Busfahrer, die mitten im Verkehr stehen bleiben, das Radio aufdrehen und mit den Passagieren zu Satchmo's Klängen tanzen. Vom Jackson Square und aus den unzähligen Kneipen strömen am Abend Jazz, Cajun- und Soulklänge.
Am frühen Abend verwandelt sich die untertags so unauffällige Bourbon Street in eine ausgelassene Musik-, Tanz- und Unterhaltungsmeile. In den Bars, Pubs, Karaoke-Clubs und Bordellen werden die Rolläden aufgezogen, leicht bekleidete Südstaatenladies tanzen auf den Theken.
Temperamentvoll waren die Menschen von New Orleans schon immer. Als die Nordstaatler im Bürgerkrieg die Stadt besetzten, machten es sich die Frauen des franzö-sischen Viertels zur Gewohnheit, den Inhalt ihrer Nachttöpfe von den schmiedeeisernen Balkonen aus just dann auszuleeren, wenn unten Soldaten vorbeimarschierten. Der Besatzungskommandant Benjamin Butler erließ daraufhin die umstrittene Anordnung, dass Frauen, die Unionssoldaten beleidigten, "Dirnen in Ausübung ihres Gewerbes" gleichzustellen und als solche zu behandeln seien.
Wer sich über diese und andere Episoden aus der Bürgerkriegszeit genauer informieren will, kommt im Confederate Veterans Museum auf seine Kosten.
An die Jahre vor dem gro-ßen Krieg erinnern auch die Schaufelraddampfer, die Touristen durch den Hafen kutschieren und zurückführen in die Zeit des Mark Twain. Eine Prise Nostalgie nach fernen Pflanzer-Epochen verströmen auch die Plantagenhäuser entlang des Mississippi. Wer sich auf den Weg zur berühmtesten dieser Plantagen, der Oak Alley Plantation macht, hat das zusätzliche Vergnügen, meilenweit auf einem Highway mitten im Naturschutzgebiet durch die Bayou-Sümpfe zu fahren. Sumpfpflanzen und Unterholz säumen die Straßen, am unteren Rand der Böschung tummeln sich Alligatoren.
Die Welt der Scarlett O'Hara
Wer von der Stadt aus in Richtung Osten aufbricht und den Golf von Mexiko entlang- und dann die Atlantikküste hinauffährt, kommt irgendwann nach Savannah.
Savannah, im Low Country von Georgia gelegen, ist die typische Südstaatenmetropole und vielleicht schönste der drei Southern Belles. Kleine, gepflegte Parks und Friedhö-fe, wunderschöne Herrenhäuser und Kirchen sind zum Glück erhalten geblieben, weil die Bewohner die Stadt im Bürgerkrieg freiwillig der feindlichen Nordstaatenarmee übergaben und so vor der Verwüstung bewahrten.
Wer heute vorbeispaziert an den prachtvollen Veranden, unter dem Meer von Magnolien, Zypressen und Palmen, vorbei an den Eichen mit dem herunterhängenden Spanischen Moos, fühlt sich unweigerlich zurückversetzt in die Welt der Scarlett O'Hara. So schön ist Savannah, dass die Stadt immer wieder als Filmkulisse dient. Nicht ohne Grund saß der einzelgängerische Forrest Gump, Nachkomme des legendären Bürgerkriegsgenerals und Ku-Klux-Klan-Gründers Nathan Bedford Forrest, just auf einer Parkbank Savannahs, als er auf seinen Bus wartete.
In Savannah führen alle Wege irgendwann zur Waterfront am Hafen, wo träge Frachtkähne hinaufdampfen und Touristenboote vor den Bars und Kneipen im Hafen anlegen. Im Hafenquartier mit seinen zahlreichen Souvenirläden und Zuckerbäckereien lässt es sich trefflich flanieren oder einfach nur auf einer Parkbank sitzen und den Blick auf den Savannah River genießen.
In nur drei Stunden ist Charleston erreicht. Die dritte der Southern Belles ist noch etwas künstlicher, noch reicher, noch ein bisschen mehr Museum, noch ein bisschen mehr Bilderbuchstadt.
Für zwei Dinge wurde Charleston bekannt: Zum einen hat der nach der Stadt benannte Tanz in den 20er Jahren von hier aus über New York seinen Siegeszug in die Welt angetreten, nachdem Jazzmusiker in den armen Townships Charlestons die Musik dazu erfunden hatten.
Weniger bekannt ist Charlestons Rolle als jene Stadt, in der der blutigste Krieg Amerikas seinen Ausgang nahm. Die Charlestonier hassten die Yankees, immer wieder gab es Versuche, South Carolina zum Austritt aus der Union zu bewegen.
1860 gelang das Manöver. In den Morgenstunden des 12. April 1861 jubelten tausende kriegstolle Bewohner der Stadt, als die Milizen mit dem Beschuss des von Nordstaatentruppen gehaltenen Fort Sumter begannen.
Mit der Verwüstung der Stadt im Krieg setzte dann eine lange Zeit des Niederganges ein. Heute aber ist Fort Sumter neben den Villen, den kleinen Gässchen und alten Reihenhaussiedlungen, dem geschäftigen Treiben in der Market Street, den Kirchen und dem Kriegsschiff U.S.S. Yorktown aus dem 2. Weltkrieg eine der Hauptattraktionen von Charleston.
Abgesehen von Museumsbesuchen und Stadtbesichtigungen lässt es sich auf der Strecke zwischen den drei Städten aber auch relaxen. Etwa an den blendend weißen Sandstränden zwischen Pensacola und Panama City in Nord-Florida. Naturfreunde suchen die weiten Okefenokee Sümpfe Georgias oder das Mississippi-Delta auf.
Südstaatler kennen nur zwei Epochen
Trotzdem ist es nicht die Landschaft, die Besuchermassen anzieht. Vielmehr ist es die Lebensart, die Kultur und Geschichte des alten Südens. In den Augen der Südstaatler gibt es praktisch nur zwei historische Epochen: jene vor und jene nach dem großen Krieg. Noch heute schwärmen Viele von den militärischen Erfolgen ihrer weit kleineren Armee im Kampf gegen die Yankees. Die großen Schlachten werden alljährlich in "reenactments" nachgestellt. Die aus dem Bürgerkrieg stammende "Konföderierte Flagge" hat im Süden beinahe Kultstatus.
In Parks und auf öffentlichen Plätzen stößt der Besucher unweigerlich auf den Namen William Tecumseh Sherman, jenes berühmten Nordstaatengenerals, der 1864 und 1865 seine Truppen durch den Süden führte und alles verwüsten ließ.
Autor: THOMAS HÖDLMOSER
© SN.
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