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"Weihnachtsstollen und Kuchen". Die deutschsprachige Reklametafel ist nicht zu übersehen. Vor allem weil sie in Chile steht.
Das Wirtshaus in der Nähe des Feriendorfes Pucon hält, was die Werbetafel verspricht. Der Apfelkuchen ist noch ofenfrisch. Der Schlagrahm, mit dem er dekoriert ist, verflüssigt sich. Die Mehlspeisen sind aber nicht das Einzige, was in dem Wirtshaus an daheim erinnert. An der Wand der Gaststube hängen eine Kuckucksuhr und alte Ski aus Toni Sailers besten Rennfahrer-Zeiten. Die Tische sind rotweiß-rot gedeckt.
Zum Apfelkuchen serviert der Wirt Rotwein. Besten chilenischen aus dem Tetrapack. Weil Nebensaison und das Lokal deshalb fast leer ist, hat der Gastronom Zeit für ein Plauscherl. Er erzählt, dass seine Vorfahren aus Hamburg stammen. Dass sein Urgroßvater einer der Gründer von Pucon war. Dass die meisten Deutschen nach der gescheiterten bürgerlichen Revolution im Jahr 1848 in das südamerikanische Land kamen. Dass Chile damals als frei und demokratisch galt und Verfolgte aus der ganzen Welt angezogen hat. Und dass sich die Deutschen hauptsächlich 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago niedergelassen haben. Eine Region, die La Araucania und Los Lagos heißt, und die von schneebedeckten Vulkanen und großen Seen dominiert wird.
Pucon am Llanquihue-See ist heute eines der großen Tourismusresorts von Chile. Wer die Hauptstraße des Dorfes hinunterspaziert, der kommt an einer Vielzahl von Agenturen vorbei. Ski fahren, Mountain-Biking, Wandertouren, Fischen, Surfen und vieles mehr wird angeboten. Der Renner im Sommer ist eine Tour auf den Vulkan Villarica. Gruppen bis zu zwanzig Personen werden auf den mit einer Schneekuppe bedeckten Berg geführt. Jeder Gast bekommt eine "Uniform". Einen Anorak und eine Überhose in möglichst knalliger Farbe. Wer die Touristen während des Aufstiegs beobachtet, hat den Eindruck, dass sich rote, gelbe, braune und grüne Schlangen den Vulkan hinaufbewegen. Auch eine Gasmaske hat jeder Tourist erhalten. Eine Vorsichtsmaßnahme, um beim Blick in den aktiven Vulkan keine Giftstoffe einzuatmen.
Der Ort gleicht einem Dorf am Bodensee
"Zwei Eintrittskarten, einen schönen Tag noch". Der Kartenverkäufer antwortet in perfektem Deutsch auf den in gebrochenem Spanisch vorgetragenen Wunsch nach den Tickets für das Museum, in dem die deutsche Besiedlung dargestellt wird. Die Schau befindet sich in dem kleinen Ort Frutillar. Und der ist eigenlich um vieles interessanter als das Museo de la Colonizacion Alemana selbst. Frutillar, das ebenfalls am Llanquihue-See liegt, gleicht einem Dorf am Bodensee. Im Sommer herrscht dort eine typisch österreichischbayerische Sommerstimmung. Die Hotels mit Holzveranden an der Uferpromenade heißen "Salzburg", "Frau Holle" und "Waldesruh". Es gibt Rosengärten, deutschsprachige Messen, Bier, Eisbein und Streuselkuchen.
Ausländer sollten sich bei einem Besuch im Kaffeehaus in Acht nehmen. Die Bedeutung der Worte Kuchen und Torta sind in Chile etwas anders als bei uns. Wer Kuchen bestellt, bekommt eine Obsttorte. Wer eine Torta bestellt, etwas Kalorienreiches mit viel Creme und Schokolade.
Frutillar ist aber nicht nur idyllisch, sondern auch Ausgangspunkt für viele Wanderungen. Hinter dem See erhebt sich der Vulkan Osorno. Zahlreiche Wanderwege führen auf und rund um den imposanten Berg. Natur pur ist überhaupt eines der Markenzeichen der Region.
"Sie sind aus Deutschland?". Eine kurze Bemerkung hat genügt, damit die Inhaberin einer Wäscherei in Puerto Montt vom Spanischen ins Deutsche wechselt. Woher, wohin, was denken Deutsche und Österreicher über Chile, will sie wissen.
Puerto Montt war der Ausgangspunkt für die deutsche Kolonisation in Chile. Hier landeten die Auswandererschiffe, von hier wurde die damals mit Urwald bedeckte Region kultiviert.
Heute ist Puerto Montt eine typische Hafenstadt und die Hauptstadt der Region 10. Besonders am Hafen pulsiert das Leben. Restaurants und Bars bestimmen das Bild. Für Touristen ist Puerto Montt, das nach einem ehemaligen Präsidenten benannt ist, nicht rasend interessant. Trotzdem wimmelt es von Reisenden. Vor allem weil hier die Fähren ablegen, die durch die chilenische Fjordlandschaft nach Patagonien fahren. Drei Tage dauert diese Reise.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Autor: ALFRED PFEIFFENBERGER
© SN.
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