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Menschenleer. Leise Wildnis und weiße Leere. Heliskiing in der Einsamkeit - noch ist Saison.
Heliskiing in Kanada ist die Faszination der Dimension: 16.000 Quadratkilometer unberührte Hänge, unverspurt, jungfräulich. Das Gebiet, das 'Canadian Mountain Holdidays' (CMH) von der kanadischen Regierung gepachtet hat, umfasst die Schweiz, Vorarlberg und Tirol zusammen. Sieben einsame Berglodges gibt es in diesem Riesenareal, sonst nichts. Keine Straßen, keine Städte, keine Dörfer, keine Lifte, keine Menschen. Nur ein paar 'Vertical Lifts', Hubschrauber also. Geflogen und gewedelt wird in den Gebirgszügen Cariboos, Selkirks, Monashees und Purcell, alle westlich der Rocky Mountains. Die Cariboos liegen am nördlichsten, etwa 600 Kilometer von Calgary.
All diese vier Gebirgszüge sind viel schneereicher als die Rocky Mountains. Jährlich fallen in Süd-Ost-British Columbia an der Baumgrenze durchschnittlich 18 Meter Schnee. Trockener, lockerer Champagner-Powder, denn die Luftfeuchtigkeit ist viel geringer als in Europa und die Temperaturen sinken oft auf minus 40 Grad.
Die Bergriesen kommen dem Himmel hier bis zu 4000 Meter näher. Zu Fuß ist diese Wildnis schon wegen des dichten Waldgürtels unerreichbar, und so dienen Hubschrauber in diesen Weiten als unerlässliche Transportmittel, zum Beispiel auch für Löscheinsätze bei Waldbränden.
Alles! Vom Pulver bis zum Firn
Hubschrauberskifahren in Kanada, das war im Jahre Schnee die Idee eines Österreichers. Der Linzer Hans Gmoser gründete 1965 das Unternehmen CMH, inzwischen mit 500 Angestellten das größte Heliskiing-Unternehmen in Kanada. In seinem ersten Jahr führte Hans Gmoser 18 Gäste in die Einsamkeit der kanadischen Berge, heute sind es jeden Winter 7000 Gäste. 1996 verkaufte Hans Gmoser sein Unternehmen an die Hubschrauberfirma Alpine.
Marty von Neudeck - sein Vater ist gebürtiger Innsbrucker und kam als Skilehrer nach Kanada - ist Marketing-Manager und selbst begeisterter Skiläufer: 'Insgesamt liegen unseren Gästen - das sind rund 400 pro Woche - 16.000 Quadratkilometer in Süd-Ost-British Columbia zu Füßen. Die größte Skiregion in Europa würde also fast 50 Mal in das kleinste Gebiet von CMH passen. In diesen Dimensionen findet man natürlich alles, was ein Skifahrerherz begehrt, steile und sanfte Hänge, coupiertes Gelände, bewaldet oder baumlos, absolut frei.'
Die Freiheit ist hier grenzenlos. Skifanatiker aus aller Welt teilen sich dieses weite weiße Land. Die Saison dauert von Dezember bis April und bietet alles - vom Pulver bis zum Firn.
Der Salzburger Martin Heuberger, staatlich geprüfter Skilehrer, arbeitete elf Jahre lang in Kanada als Helikopter-Skiführer und war dort Anfang der Siebzigerjahre ein Mann der ersten Stunde. Unzählige Berge hat er als erster Mensch befahren und erkundet: 'Im ersten Jahr musste ich oft mit der Motorsäge abfahren, um Landeplätze für den Helikopter auszuholzen. Da ich im Pinzgau als Bauernbub aufgewachsen bin, war das für mich kein Problem, und natürlich wurde dieses Ausholzen vom kanadischen Forestservice genehmigt. Markiert sind die Landeplätze übrigens mit Holzstangen, die im Frühjahr immer entfernt werden. Außerdem bedeuten in der Weite Kanadas eine Handvoll Hubschrauber überhaupt kein Problem, in Europa hingegen ist Heliskiing längst verpönt, zu wenig Platz in den Bergen und zu viele Konflikte mit anderen Bergbenützern.'
Riesig weite weiße Stille
Faszinierend sind auch die riesigen Entfernungen. Die nächste Lodge 400 Kilometer auf Distanz. Dazwischen nichts. Keine Häuser, keine Menschen. Nur 40 Gäste, die in jeder Lodge wohnen, umgeben von einer beeindruckenden majestätischen Bergwelt, mit türkisblauen Gletscherabbrüchen, häusergroßen Schneewächten und bizarren Gipfeln.
10.000 Höhenmeter in den Beinen sind an einem Skitag bei guten Verhältnissen keine Seltenheit. Dieses Pensum bedeutet natürlich auch Schwerstarbeit für den Piloten. Im Hubschrauber chauffiert der Pilot elf Gäste und einen Skiguide.
Im Sommer Wasser, im Winter Skifans
Der Kanadier Gord Collett arbeitet seit 20 Jahren als Hubschrauberpilot. Im Sommer fliegt er in Kanada Löscheinsätze bei Waldbränden. Im Winter fliegt er an guten Tagen so viele Landungen wie ein Verkehrspilot in einem ganzen Jahr. 'An einem starken Tag fliege ich bis zu 130 Landungen, natürlich auch ebenso viele Starts am Tag. Schwierig beim Hubschrauberfliegen ist manchmal das so genannte Flat light, jenes diffuse Licht, wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckt und markante Anhaltspunkte wie Bäume oder Felsen verloren gehen. Auch starke Winde erschweren die Landung, obwohl man eigentlich nicht mehr Platz zum Landen braucht als sechs Zoll, also 15 Zentimeter, das genügt im Normalfall.'
Natürlich kann es für die Faszination Champagner-Powder keine 100-prozentige Sicherheitsgarantie geben, und jeder Skitag gilt in dieser Weite und Abgeschiedenheit als neue Herausforderung.
Marty von Neudeck ist als gelernter Jurist auch für die rechtlichen Belange im Unternehmen verantwortlich: 'Natürlich hat es in 35 Jahren auch Unfälle gegeben. Wir betonen in unseren Büchern und Filmen auch, dass Heliskiing kein völlig risikoloser Sport sein kann. Wir haben in diesen 35 Jahren eine schriftliche Dokumentation von 4,5 Millionen geführten Abfahrten gesammelt. Das sind also 4,5 Millionen Mal, dass ein ganzes Team von Guides eine Abfahrt für sicher erklärt hat. Bei diesen 4,5 Millionen Entscheidungen hatten wir acht Lawinen, acht Mal gegenüber 4,5 Millionen Mal. Natürlich immer noch acht Mal zu viel, aber man muss hier auch die Relationen in diesen Dimensionen sehen.'
4,5 Mill. Abfahrten und acht Lawinen
Jeden Winter treffen sich bei CMH Lawinenexperten aus aller Welt zum Erfahrungsaustausch. In jeder Lodge ist jede Woche ein Extra-Guide ausschließlich mit Sicherheitsfragen beschäftigt, er prüft Gelände und Schneeverhältnisse, schließlich sollen den Gästen immer unverspurte und sichere Hänge zu Füßen liegen.
Auf dieses berauschende Feeling beim Heliskiing wollen viele auch gar nicht mehr verzichten, und so gibt es längst einen 'Million-Feet-Club'. Den absoluten Rekord in diesem Club der Höhenmetersammler hält ausgerechnet ein Hawaiianer. Ned Daimon, Besitzer einiger Zuckerrohrplantagen, hat schon fast sieben Millionen Höhenmeter Heliskiing in den Beinen, seine Frau liegt bei über fünf Millionen Hö-henmeter. Der Hawaiianer verbrachte insgesamt 217 Wochen seines Lebens beim Heliskiing mit CMH in Kanada. Ned Daimon hat also viereinhalb Jahre seines Lebens jeden Tag Heliskiing genossen.
DATEN & FAKTEN
Pulverschnee geht in Kanada erst spät im Frühjahr zu Ende. Wer sich für spektakuläre Abfahrten und traumhafte Ausblicke interessiert, ist im Pinzgau bestens aufgehoben.
Kontakt Kontaktadresse in Österreich: Canadian Mountain Holidays CMH Heli-Skiing Shelley Heuberger, Weikersbach 4, A-5760 Saalfelden Telefon 06582-72150, Fax 06582-75325
In Kanada gibt es Transfers vom Flughafen Calgary mit CMH-Bussen zu den einzelnen Lodges bzw. Heliports. Von dort geht es dann weiter mit dem Hubschrauber in die Einsamkeit der Berge.
Preise Das CMH Hauptbüro befindet sich in Banff, etwa eine Autostunde von der Olympiastadt Calgary entfernt.
Der Spaß hat auch seinen Preis. Eine Woche Heliskiing kostet etwa ab 50.000 Schilling, inklusive Vollpension, Leihski, jeglichem Service in der Lodge - und inklusive 35.000 Höhenmeter.
Wiederholungstäter 45 Prozent der CMH-Gäste sind Amerikaner, 10 Prozent Deutsche, sechs Prozent Schweizer und fünf Prozent Österreicher. Die Jüngsten sind 14 oder 15 Jahre, die ältesten Heliskier um die 80 Jahre alt. Etwa 70 Prozent sind Repeaters, also Wiederholungstäter. 50 Prozent der Gäste kommen jedes Jahr wieder.
Autor/in: DORIS MAIER
© Salzburger Fenster.
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