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Reiseberichte

Jamaica: Insel-Freuden
2. Dezember 2000
Die grüne Insel in der Karibik ist eine zeitlos schöne Destination. Österreicher kultivieren ihre Gastfreundschaft auf höchstem Niveau.

Natürlich kommt man das erste Mal nach Jamaika wegen der endlosen weißen Sandstrände, des tropischen Regenwaldes, des ewigen karibischen Sommers und der Sonne, die bei Rick's Cafe` als spektakulärer Feuerball im Ozean versinkt. Man kommt wegen des bestimmenden Rhythmus des Reggae, der einen von Ankunft bis Abschied in leichtlebiger Trance hält, und wegen des lockeren Schmähs, mit dem Jamaikaner den blassen, sonnenentwöhnten Touristen entgegenkommen, ihnen Musikkassetten und Handwerk andrehen und dabei doch den Kontakt leicht machen.
Und man kommt wieder wegen der unaufdringlichen, gediegenen Verwöhnung, die einem seine luxuriösen Ressort-Hotels angedeihen lassen, die ihre Gäste mit 'Animation' verschonen und sich dafür den unterschiedlichsten Urlaubswünschen anpassen.

'Wie ein zeitloser Kaschmirpullover, immer exquisit und nie aus der Mode', beschreibt Josef Forstmayr darum auch das 'Round Hill Hotel & Villas' westlich von Montego Bay. Der gebürtige Niederösterreicher aus einem Gastronomie-Clan in Stadt Haag hat dem weitläufigen Ferienparadies mit eigenem Strand auf den Hügeln einer früheren Zucker- und Ananasplantage wieder neuen Glanz verliehen; quasi Fewa-Wolle gewaschen.

In den 50er und 60er Jahren war das Round Hill Treffpunkt der Reichen und Berühmten: Was einen Namen in Hollywood oder Washington hatte, zog sich hierher zurück, um gesehen zu werden. In der Bar, die jedem Humphrey-Bogart-Film zur Ehre gereichen würde, zeugen Bilder von Clark Gable, Grace Kelly und Cole Porter vom Highlife. Jackie und John F. Kennedy verbrachten hier ihre Flitterwochen in einem der Cottages am Hügel, das später Ralph Lauren bezog, der heute Miteigentümer ist und dessen klares Design in den 90er Jahren der 'Grand Old Lady' unter den Karibikhotels zu einem dezenten Facelift verhalf.

Selbst beim ersten Besuch fühlt sich das Round Hill wie ein vertrautes Domizil an, in das man zurückkehrt: Die zum Meer offenen Häuser auf den Hügeln, meist zwei bis drei Suiten mit einem eigenen Pool, und ihre Gäste werden von einem kleinen Stab aus Köchin, Haushälterin und Gärtner betreut. Die geschmackvolle Möblierung mit viel altem Mahagoni passt sich den Bewohnern an wie ein bequemer Lehnstuhl, in dem man einen hektischen Alltag völlig hinter sich lässt.

Wer so wieder Unternehmungslust geschöpft hat, kann unten am Meer zum Hausriff abtauchen, auf einem der Tennisplätze spielen, oder sich der Fitness, dem Wohlergehen oder der Schönheit widmen. Bei einem Drink mit jamaikanischem Rum unter den Palmen der Strandbar kommt man leicht ins Gespräch mit anderen Gästen, viele von ihnen 'Regulars' wie der pensionierte US-Admiral, der hier zwei Mal im Jahr mit seiner Frau auf Tauchstation geht, oder Paul McCartney, der regelmäßig mit seiner Familie andockt.

Dezente Kleidervorschriften unterscheiden den Abend an der Bar und im Restaurant am Strand wohltuend von lärmenden Ferienclubs: Keine kurze Hose oder T-Shirt nach halb acht, Samstag abends wird Sakko 'empfohlen'. Für ein solches Mindestmaß an 'Zivilisation' wird man mit exquisiter Küche unter österreichischer Leitung, gepflegtem Ambiente und jamaikanischer Musik und einem Pianoplayer belohnt.

Etwa eine dreiviertel Stunde vom Round Hill entfernt liegt auf der östlichen Seite von Montego Bay eine andere Perle unter den Karibik-Hotels, der legendäre Half Moon Club. Der Steirer Heinz Simonitsch hat das Luxushotel, dessen Lack Ende der 50er Jahre abgeblättert war, in den 60er Jahren gerettet und wieder aufgebaut.

Heute erstreckt sich die grüne Anlage mit ihren ebenerdigen Bauten und Villen im kolonialen Stil auf einem Riesenareal von 180 Hektar entlag einer halben Meile eigenem weißen Strand. Wer will, dem gelingt hier der perfekte Rückzug: Selten, dass gerade andere Gäste in Sichtweite entlang der drei Buchten des Half Moon verweilen; einige Suiten teilen sich jeweils ein Schwimmbecken, und wer eine Queen von England, ein Star wie Whitney Houston oder eine Familie mit etwas Kleingeld ist, kann eine der prachtvollen weißen Villen mit eigenem Personal mieten. Auch internationale Konzerne finden in zunehmendem Maß hierher, um ihren Mitarbeitern nach Meetings auch ein karibisches Zuckerl zu bieten.

Aber eigentlich ist es das Pendeln zwischen Rückzug, hitzebedingter Faulheit, etwas Sportlichkeit und Geselligkeit, das den Rhythmus eines Tages im Half Moon bestimmt: Was sich untertags im Gelände verliert, findet sich mittags, zum Tee oder abends in einer der halben Dutzend Bars oder der fünf Restaurants wieder, darunter ein Haubenlokal in einer alten, restaurierten 'Sugar Mill' und ein japanischer Gourmet-Tempel. Ein eigener 18-Loch-Golfplatz, Tennisplätze, Fitness-Center, Reiten, Wassersport, eigener Kindergarten und eigenes Spital: Vollständiger kann das Angebot nicht sein.

Und natürlich ist da noch ein ganzes Land schön wie eine Filmkulisse, was man im Schoß des Luxus fast vergessen könnte. Nur eineinhalb Autostunden von Montego Bay entfernt ist man z. B. mitten im gebirgigen Regenwald und kann unter fachkundiger Führung die Wasserfälle Mayfield Falls durch den Fluss hinaufklettern, in den Becken unter den Wasserstufen wie in einem Whirlpool schwimmen und unter den Kalkfelsen durchtauchen.

Nur wenig mehr als 100 Kilometer entfernt liegt die Küste Kubas, und eine Reihe örtlicher Veranstalter haben sich auf Ein- und Zweitagestouren nach Havanna spezialisiert. Andere Ausflüge auf Jamaika sind da schon eine eigene Reise wert, etwa in die Blue Mountains, mächtige grüne Zweitausender, wo man sich im Hotel Strawberry Hill von Bob Marleys Produzenten Chris Blackwell verlieren kann; oder nach Kingston, der Hauptstadt Jamaikas - aber all das ist schon wieder eine andere Geschichte.

DATEN & FAKTEN

Hochsaisonist in Jamaika von Mitte Dezember bis Mitte April, aber eigentlich ist die Insel zu jeder Jahreszeit eine Reise wert und in der 'Nichtsaison' fast um die Hälfte billiger.

Keine Angst vor 'Regenzeit' und 'Hurricane-Saison': Es regnet höchstens ein paar Minuten pro Tag, und die Wolken am Nachmittag sorgen für erfrischende Abkühlung; Sommertemperaturen liegen nicht höher, als wir es von Europas Feriendestinationen gewöhnt sind. Die meisten Flüge von Europa aus führen nach Montego Bay im Nordwesten der Insel.

Autor/in: Helmut Spudich

© SN.

 

diese seite | 25.06.2002 | 16:44

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