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Reiseberichte

Rockies: Champagner-Powder
29. Jänner 2000
"Hollywood macht in Aspen Urlaub, die Wall Street in Vail", werden wir von unserem Gesprächspartner aufgeklärt.

Vielleicht war es nur die Hö-henluft, vielleicht war es auch unsere Verblüffung, die uns vor der Übersichtstafel der Two Elk Lodge von Vail den Atem genommen hat. Wir wollten uns nur über das weitläufige Skigebiet informieren, da tauchte der gute Geist schon unvermittelt auf. Wie es uns gehe, welch Glück wir mit dem herrlichen Wetter hätten und ob wir uns etwa verfahren hätten, wollte der dienstbare Helfer des Skigebietes von uns wissen. Noch ehe wir uns für die Beantwortung einer dieser drei Fragen entschließen konnten, versetzte er uns komplett in Staunen: Oder ob wir etwas an der Pisten-Präparierung auszusetzen hätten?

Erst später wurde uns klar, was Olympiasieger und Arlberg-Hotelier Patrick Ortlieb schon vor vielen Jahren wirklich gemeint hat, als er über Vail sagte: "Von diesem Skigebiet können wir nur lernen. Hier wird Ski fahren als Dienstleistung begriffen."

Nur Ski fahren muss man noch selber

Das stimmt allemal. Hier wird nach allen Kräften versucht, den Skitag von früh bis spät so entspannt wie möglich zu halten. Freundliche Gesichter an der Kassa, freundliche Gesichter an jeder Informationstafel, griffbereite Boxen mit frischen Taschentü-chern an jeder Liftstation und der zugehörige Müllkübel drei Meter dahinter - nur Ski fahren muss man hier noch selber.

Das alles hat natürlich seinen Preis: 59 Dollar (ca. 810 S) kostet eine Tageskarte, die Hotelpreise in Vail bewegen sich zwischen 300 und 400 Dollar (3900 bis 5200 S) pro Nacht, die Restaurant- und Getränkepreise sind an die selbst erwählte Kundschaft der Wall Street angepasst. Genau dies sorgt aber auch im Wirtschaftswunderland Amerika für Kopfschmerzen.

"Der Skisport macht hier eine schwierige Zeit durch, weil er für viele einfach schon viel zu teuer ist", sagt Kelly Ladyga, die innerhalb von Vail Associates für das Traumgebiet Beaver Creek zuständig ist. So erfahren wir einiges über Aufbau und Entwicklung der Ski-Resorts in den Rocky Mountains, das doch so ganz anders abläuft denn in Europa.

Das Geschäft läuft auch ohne Schnee

Hier gibt es keine örtlichen Liftgemeinschaften, hier hat die börsennotierte Vail Associates die Entwicklung der Skigebiete übernommen. Vail, Beaver Creek, Breckenridge und Keystone gehören dazu, das neueste Resort wird Bachelor Gulph sein. Und da gehören nicht nur Lifte dazu, sondern auch die notwendige Infrastruktur wie Hotels, Restaurants, Sportshops, Fitnessclubs und Golfplätze. Schließ-lich soll das Geschäft auch laufen, wenn der Schnee noch nicht gefallen ist.

Doch zurück von den Geschäften zu dem, was die Skiorte in den Rockies so berühmt gemacht haben. Der "Champagne-Powder", der Champagner-Pulverschnee. Drei Dinge sorgen hier für diesen weltweit einzigartigen Schnee.

Die ungewöhnliche Seehö-he (man fährt hier zumeist über 3000 m Ski), die ungewöhnliche Trockenheit und die in Colorado ohnedies meist vorhandene arktische Kälte: Minus 25 Grad Celsius sind hier keine Seltenheit, und echte Europäer erkennt man nach zwei Tagen, weil sie die ihnen empfohlenen Fettcremen gegen Erfrierungen im Gesicht lächelnd liegen gelassen haben.

Für den durchschnittlichen Ski-Konsumenten bedeutet Champagne Powder den Aufstieg in die erste Liga der Skifahrer. Jeder Schwung lässt sich leichter auslösen, man fährt fast kraftlos (die Kraft braucht man ohnedies für die dünne Luft) - und im Tiefschnee mutieren selbst Durchschnitts-Skifahrer zu Pisten-Akrobaten.

Bei so viel Erfolgserlebnissen darf natürlich der gemütliche Teil nicht zu kurz kommen, und davon hat Vail einiges zu bieten. Der rund eine Autostunde von Denver entfernt gelegene Ort ist eine witzige Mischung aus Western-Pioniergeist und österreichischer Gemütlichkeit.

Es geht noch um einiges exklusiver

Wem dies nicht exklusiv genug ist, dem sei der absolute Geheimtipp unter Colorados Skigebieten empfohlen: Beaver Creek. Wer hier zwei Wochen mit seiner Familie entspannt urlaubt, bezahlt den Preis eines Mittelklassewagens.

Autor/in: Michael Smejkal

© SN.

 

diese seite | 25.06.2002 | 16:31

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