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'G'day, mate, how're ya going.' Doch wir sind vom Flug zu benommen, um dieses Kauderwelsch als Begrüßung zu identifizieren.
Bis uns dämmert, dass das ungefähr 'D'Ehre, Kumpel, wie geht's' geheißen haben könnte, ist der Pass längst abgestempelt. Und die Gelegenheit vorbei, dem freundlichen Einreisebeamten für sein 'Bloody welcome' zu danken. Ja, an 'strine', also das, was Australier für Englisch halten, werden wir uns noch gewöhnen müssen.
Alle Welt blickt in diesen Tagen nach Sydney, den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Doch wer dem dortigen Rummel entgehen will, der flüchtet besser ins Innere des Kontinents. Zwar dauert der Flug von der Küste nach Alice Springs im Roten Zentrum, dem berühmtberüchtigten Outback, weitere drei Stunden. Dann aber herrscht - rein statistisch zumindest - Einsamkeit: Unser Ziel, das Northern Territory, in das Österreich bequem 15 Mal hineinpasst, beherbergt bloß 200.000 Menschen, ein Viertel davon sind 'Abos'.
Schon wieder so ein salopper Ausdruck der Aussies, der (weißen) Australier. Natürlich sind mit Abos keine Dauerbezüge von Zeitungen oder Theaterkarten gemeint, sondern die Ureinwohner, die Aborigines. Ein trauriges Kapitel! In selbstkritischen Momenten geben die Neusiedler ja zu, dass sie eigentlich auf Black Man's Land sitzen. Aber mit diesen 'Wilden' lässt sich halt so gar nichts anfangen im modernen nutzenorientierten Wirtschaftsleben. 'Schau'n Sie nur, wie die besoffen rumkugeln mitten in Alice Springs, nachdem sie die Sozialhilfe in Alkohol umgesetzt haben!' Weiße (Mit-)Schuld am bedauernswerten Los der Entwurzelten wird höchst selten reflektiert.
Dabei funktioniert das Zusammenleben der Völker im Northern Territory noch relativ reibungslos. Ihre heiligen Berge, eine Tagesreise von Alice Springs entfernt, erhielten die hier lebenden Anangu-Aborigines vor Jahren schon zurück. Jetzt heißen The Olgas auch offiziell wieder Kata Tjuta und der Ayers Rock: Uluru. Touristische Einrichtungen wurden aus dem Weichbild der Naturformationen verbannt. Ein Stammesmitglied ist Vorsitzender der Nationalparkverwaltung.
Lange Zeit galt der Ayers Rock, quasi das steinerne Herz des Kontinents, als größter Monolith der Erde (erst neuere Forschungen haben ihm diesen Rang zugunsten des Mount Augustus in Westaustralien aberkannt). Ähnlich wie bei einem Eisberg ist der überwiegende Teil des roten Konglomeratblocks unsichtbar: Bloß 350 Meter ragt er aus dem Boden, in die Tiefe aber sechs oder sieben Kilometer.
Also beim Uluru stimmt das mit der Einsamkeit nicht so ganz: Was sich dort allabendlich abspielt, gleicht dem Auftrieb in den riesigen Viehfarmen des Landes. Notgedrungen ist alles mit britischer Disziplin organisiert: Jede Fahrzeugkategorie hat ihren eigenen Parkplatz, Zäune halten die Menschenmassen in Schach. Der Andrang ist schauerlich, aber verständlich: Wie der Bergrücken bei Sonnenuntergang binnen weniger Minuten in allen Rotschattierungen glüht, das muss man erlebt haben.
Frühmorgens geht es am Fuß des Monolithen nicht viel lauschiger zu. Zwar bitten die Abos, ihr Heiligtum nicht mit Füßen zu treten. Denn hier kreuzen sich die Songlines, auf denen die mythischen Ahnen der Indigenen das Land durchstreiften. Doch vorderhand lassen sich nur wenige Bergkraxler davon abhalten, das Plateau zu erklimmen. Fazit: Tagtäglich müssen etliche Möchtegern-Alpinisten mit dem Hubschrauber geborgen werden. Dabei bietet sich am Fuß des Massivs ein Rundweg an, auf dem Wanderer den magischen Zauber des Uluru viel stärker spüren. 'No petrol station the next 300 km', warnt eine Tafel an einer der seltenen Tankstellen. Doch die tausend Kilometer vom Roten Herzen bis Darwin sind uns diesmal ohnehin zu weit. Damit warten wir bis zum nächsten Besuch. Wenn 2003 für den aus Adelaide kommenden legendären Zug Ghan die Gleise bis in Australiens Top End führen.
Autor/in: Gerhard H. Oberzill
© SN.
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