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Einerseits, andererseits und außerdem. Die Baja California ist ein Land der Gegensätze, das dem Besucher fast jeden Wunsch erfüllt.
Einerseits: Die riesige Zollstation mit Durchgängen, die an Raubtierkäfige erinnern, ist für die Amerikaner das Eintrittstor zur Party-Stadt Tijuana. Lediglich eine halbe Stunde sind es vom Zentrum San Diegos zur mexikanischen Grenze. Ohne große Kontrollen werden die US-Bürger von den Beamten in Richtung Süden durchgewunken. Für die Latinos, die nach Kalifornien wollen, geht es bei weitem nicht so schnell. Ihre Papiere werden genau unter die Lupe genommen. Vor den Schaltern haben sich lange Schlangen gebildet. Die Massen an US-Bürgern, die sich besonders am Wochenende in die mexikanische Millionen-Stadt wälzen, haben jedenfalls nur eins im Sinn: feiern. Zahlungsmittel ist in Tijuana der Dollar, der von den Amerikanern hauptsächlich in Margaritas umgesetzt wird. Tequila, Limettensaft, Likör und zerstoßenes Eis sind die Bestandteile dieses Getränks, das in den Bars und Discos rund um die Avenida Revolucion in jeder denkbaren Größe angeboten wird.
Bei den US-Amerikanern hat die Fahrt nach Tijuana jedenfalls Tradition. Bereits in den 30er Jahren, in Zeiten der Prohibition, kamen sie, um hier den einen oder anderen Drink zu nehmen. Der Tagestourismus ist das Lebenselixier der grellen und lauten Millionen-Stadt.
Andererseits: Langsam rollt der Linienbus auf der fast 2000 Kilometer langen Carretera Transpeninsula dahin, die die Baja California von Tijuana im Norden bis nach Cabo San Lucas im Süden durchzieht. Weite Sandwü-sten, zerklüftete Felsen, Schluchten, hin und wieder ein riesiger, bis zu 20 Meter hoher Kaktus und verlassene Missionsdörfer ziehen am Fenster vorbei. Das Thermometer zeigt 50 Grad an. Die Luft flimmert. Kein Wunder, dass die Seefahrer der Baja den Namen "calida fornax" (heißer Ofen) gegeben haben. Eine scheinbar leere, lautlose, menschenfeindliche Wildnis.
Vorräte auffüllen, tanken, weiterfahren
Dennoch, mehr als 2500 Pflanzen- und zahlreiche Tierarten sind hier heimisch. Nur an wenigen Orten trotzen Bauern dem Land ein karges Dasein ab, bauen Früchte an oder halten ein wenig Vieh. Die meisten der in der Landkarte eingezeichneten Orte entpuppen sich als trostlos: Vorräte auffüllen, nachtanken, kleinere Reparaturen am fahrbaren Untersatz, viel mehr ist hier nicht zu tun.
Wer sich eines der beliebten Cabrios gemietet hat, kann von der Hauptstraße abbiegen und auf einer der wenigen Stichstraßen weiter in die Wildnis vordringen. Von Regengüssen ausgewaschene Wege mit tiefen Schlaglöchern stellen das Auto auf eine harte Probe. Schwärme von Geiern, die unter der sengenden Sonne reglos auf vereinzelten Kakteen hocken, scheinen nur auf die nächste Autopanne zu warten: das Landesinnere der Baja ist hartgesottenen Wüstenliebhabern und Globetrottern vorbehalten. Wenige Kilometer von der Hauptstraße entfernt zeigt die Baja ihre ganze wilde Schönheit: endlose Strände und kristallklares Wasser, in dem neugierige Seehunde "zum Spielen" einladen. Pelikane stürzen sich auf der Jagd nach Beute wie Pfeile aus gro-ßer Höhe ins Wasser. Die Baja California, der "Garten Gottes", ist mit knapp 1300 Kilometern die längste Halbinsel der Welt. Wirft man einen Blick auf die Landkarte, vermittelt die durch den Golf von Kalifornien vom mexikanischen Festland getrennte Halbinsel den Eindruck von 3000 Kilometern Küste. Wie ein langer Finger erstreckt sich die Baja von Kalifornien Richtung Süden. Zwischen 50 bis 150 Kilometer breit, ist die Halbinsel ein Naturparadies mit Aus- und Einblicken, die es sonst in dieser Intensität nur selten zu bewundern gibt. Der Ort Guerrero Negro liegt ungefähr in der Mitte der Baja. Die Attraktionen, die hier zu sehen sind, sind 15 Meter lang und 40 Tonnen schwer: Wale. Mitte Dezember kommen die erste Grauwale in die Buchten. An die 9000 Kilometer Weg von der eisigen Beringsee bis hierher an den Wendekreis des Krebses liegt hinter ihnen. Hier, in der "Kinderstube der Grauwale", paaren sie sich in den flachen Gewässern und kalben. Im Frühjahr, wenn die Jungen genügend Fett angesetzt haben, geht es wieder auf Reise zurück ins Eismeer.
Außerdem: Der Kontrast zur einsamen Baja und zur Party-Stadt Tijuana könnte nicht größer sein. Im Süden der Halbinsel wartet auf die Touristen ein gut erschlossenes Feriengebiet: Cabo San Lucas. Hotels, Geschäfte, Restaurants, meist mondän und teuer, und Buchten mit feinem Sand sind die Anziehungspunkte für zahlungskräftige US-Touristen. Im Hafen liegt eine Jacht neben der anderen. Die meisten der Schiffe sind zu mieten. Hochseefischen ist die Attraktion am Ende der Baja, Haie und Merline das Objekt der Begierde. Viele Touristen kommen aber auch einfach, um zu relaxen, um das Leben, die gute Küche und die Liebenswürdigkeit der Einheimischen zu genießen. Denn wie heißt es in einem mexikanischen Sprichwort: "Nada cuesta una sonrisa" - Ein Lächeln kostet nichts.
Autor/in: Claudia Hutticher
© SN.
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