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Während bei uns die Fastenzeit begonnen hat, bereitet sich der kleine Karibikstaat Antigua auf das herausragendste Ereignis des Jahres
Auch ohne Karneval ist auf Shirley Heights jeden Sonntag der Teufel los: Reggae- und Steelbands stampfen heiße Rhythmen in den Fels der Aussichtsplateaus, zu Spare Ribs vom Grill und Carib Lager Beer. Von tief unten leuchtet stahlblau und mit weißen Punkten gespickt der wohl eindrucksvollste Ankerplatz der Karibik herauf, English Harbour. Dort, im hurrikansicheren Naturhafen, kommandierte um 1785 Horatio Nelson die königliche Flotte und ließ seine Fregatten zur Reparatur auf Kiel legen. Heute dümpeln vor den historischen Gemäuern von Nelson’s Dockyard Hunderte von Yachten aus aller Welt.
Während des Karnevals vibriert für zehn feierfreudige Tage die gesamte Insel. Das riesige Cricketstadion in St. John’s wird dann zur „Carnival City“ umfunktioniert, in der spannungssteigernde Veranstaltungen wie die Wahl der Karnevalskönigin, Calypso- und Steelbandwettbewerbe sowie Musikfestivals stattfinden. Höhepunkte sind am ersten Montag im August das „Jump up“ morgens um vier, wenn die Karnevalisten ihre afrikanische Seele zum Tanzen bringen, sowie der Dienstag mit nicht enden wollenden Straßenumzügen gigantischen Ausmaßes. Nicht zufällig fällt der Karneval mit dem Jahrestag der Sklavenbefreiung am 1. August 1834 zusammen.
„Ladies and Gentlemen“, Carnival City bebt schon bei der bloßen Ansage, „this is our beautiful Miss Kai Davis!“ Natürlich haben die Mitbewerberinnen um den Titel „Caribbean Queen“ aus St. Kitts, Dominica, St. Lucia. Grenada, Guadeloupe und Venezuela gegen sie kaum eine Chance. Denn die kaffeebraune Schönheit, die jetzt im exotischen Glitterlook über den Laufsteg rauscht, ist schließlich Miss Antigua und auf Grund der Heimvorteile bereits so gut wie gekrönt.
„Und, wie gefällt’s dir hier?“, brüllt hinter der Bühne ein Beleuchter, dunkelschwarz und mit blitzenden Zahnreihen, gegen dröhnende Bässe an. Er meint damit aber nicht die defilierenden karibischen Beautys, sondern die Insel. Derlei rhetorisches Fragen verlangt keine Antwort. Die weiß der selbstbewusste und fitnessgestählte Sunnyboy schon selbst: 365 schneeweiße Strände („one for every single day!“), Bilderbuchbuchten, von glänzenden Kokospalmen gesäumt, karibisches Blau in allen Farbschattierungen und eine Badetemperatur, die niemals unter 25 Grad Celsius sinkt. Dazu jede Menge Vibrations: The Caribbean Queen Show, Female Calypso Competition, The Judging of Bands (die Kür der besten Tanzgruppe) – nur ein Bruchteil des Bühnenprogramms, das in der letzten Juliwoche in Carnival City mit viel Getöse als Vorspiel anläuft.
Höllenlärm bereits am frühen Morgen
Der erste Höhepunkt kommt am Karnevalsmontag, mit „J’ouvert“ auch „Jump up“ genannt, was so viel bedeutet wie die letzte Chance, sich vor Aschermittwoch noch einmal richtig auszutoben.
Sehr früh am Morgen füllen sich die Straßen von St. John’s mit tausenden singenden und tanzenden Antiguanern sowie Sattelschleppern, auf deren Ladeflächen Großraumlautsprecher gestapelt sind. Im „Jump up“ treibt in aller Herrgottsfrühe das blanke Chaos Tänzer, Trommler und Sänger durch die Gassen, und das sonst so verschlafene Städtchen zittert phonstark im Calypso-Sound.
Dienstag ist Umzugstag. Wagen auf Wagen, Tanzgruppe auf Tanzgruppe setzen sich in Bewegung. Rund 10.000 kostümierte Aktive schieben sich ekstatisch durch St. John’s bei schweißtreibender Hitze.
„Vergeßt nicht“, erinnert der lokale Fernsehsender, „dass der Mittwoch ein normaler Arbeitstag ist.“ Doch die öffentliche Warnung verhallt im „last lap“, dieser allerletzten Runde, zwischen Steelbandgruppen und rhythmisch kreisenden Bikini-Becken weitgehend ungehört. „Zuviel Sexappeal“, wettert da der „Daily Observer“ angesichts sehr knapp bekleideter Calypso-Girls und sieht die christliche Tradition des Inselkarnevals in Gefahr. Jedenfalls wirbt Carnival Antigua (www.antiguacarnival.com) schon jetzt mit dem Slogan: „The Carnival will be bigger than ever!“
Am nächsten Tag stechen, vom Ende des karnevalistischen Treibens unberührt, wie gewohnt die Segelkatamarane zu ihrer achtstündigen „Circumnavigation“ in See. Es geht einmal rund um die Insel, zum Schnorcheln, zum Sightseeing und zum Strände-zählen. Ob es tatsächlich 365 sind, wie die Tourismusexperten Antiguas gerne behaupten, weiß bis heute niemand so genau.
Einsame Buchten ziehen vorbei, English Harbour steht auf dem Programm, auf den Klippen unweit von Shirley Heights klebt Eric Claptons Suchtklinik wie ein Schwalbennest über der Karibischen See. Natürlich lebt die einstige Zuckerinsel heute fast ausschließlich vom Tourismus. Wer es sich leisten kann, für ein paar hundert Dollar pro Nacht abzusteigen, landet fernab jeden Trubels in feinen Resortanlagen mit so wohlklingenden Namen wie Curtain Bluff oder Carlisle Bay. Im St. James Club logieren Stars wie Whitney Houston oder Dustin Hofman. Exklusivität ist zwischen Reitställen, Golfplätzen, tropischen Gärten und feudalen Villen mit eigenem Pool garantiert.
Wer es noch abgeschiedener und diskreter braucht, muss zur schmucklosen Schwesterinsel Barbuda hinüber. Das flache Eiland hat außer seiner einzigen Ortschaft Codrington nur eine Brutkolonie von rund 250 Fregattvögeln, eine fischreiche Lagune, zahllose Schiffswracks unter Wasser und rosafarbene Strände zu bieten – sowie die beiden exklusiven Strandanlagen Coco Point Lodge und The Beach House.
INFORMATION
Veranstalter: Dertour und Meier’s Weltreisen haben eine Vielzahl von Angeboten für Antigua im Programm. Info und Buchung im Reisebüro.
Klima: Ganzjährig warme Temperaturen mit relativ niedriger Niederschlagsrate. Die Wassertemperatur beträgt durchschnittlich 26 bis 28°C.
Gesundheit: Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung wird empfohlen, da die Kosten der medizinischen Versorgung hoch sind.
Währung: 1 Ostkaribischer Dollar = 100 Cents. Kreditkarten werden fast überall angenommen.
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