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Reiseberichte

Der Smaragd der Ägäis
17. Februar 2007
Hohe Berge mit dichten Pinienwäldern, ursprüngliche Bergdörfer und einsame Buchten – Griechenlands nördlichste Insel Thássos ist mit Sicherheit eine Reise wert.

Die Straße endet abrupt auf einem kleinen Parkplatz unterhalb des Dorfplatzes. Der Duft von Lammbraten weht von der Taverne zum Autofenster herein. Nur ein paar Schritte sind es bis zu den Tischen unter uralten Platanen, schnell steht die Karaffe mit würzigem Rotwein auf dem Tisch.

Der Blick streift über den Hang hinter dem Dorfplatz. Dichtes Grün wuchert zwischen verfallenen Steinhäusern, deren inseltypische Erker und Holzbalkone noch von ihrer einstigen Pracht zeugen. Früher war Kazaviti ein wichtiges Bergdorf, dann verließen die Bewohner den abgelegenen Ort; zum Schutz vor Seeräubern zogen sie sich  ins Landesinnere zurück. Seit einigen Jahren haben vor allem Deutsche die Idylle inmitten üppiger Natur entdeckt und restaurieren immer mehr der alten Herrenhäuser.

Am Meer gab es meist nur einen kleinen Hafen, umgeben von Feldern und Olivenhainen. Heute sind die Küstenorte für die Touristen ausgebaut und die Bergdörfer beliebte Ausflugsziele. Doch auch wenn der Tourismus längst die Haupteinnahmequelle der Thássioten ist, fehlen noch die hässlichen Auswüchse. Es gibt keine großen Hotelkästen, und selbst der Hafenort Skala Prinou, wo die Autofähren vom Festland anlegen, wirkt noch recht verschlafen.

Thássos ist grün und sehr gebirgig. Eine Bergkette durchzieht die kreisrunde Insel von Nordwesten nach Südosten und verleiht ihr stellenweise einen nahezu alpinen Charakter. Der höchste Gipfel ist der Ipsarion mit 1204 Metern, fünf weitere Gipfel übersteigen tausend Meter. Dem mächtigen Gebirge verdankt Thássos auch seine üppige Vegetation. An ihnen verfangen sich vor allem im Winterhalbjahr die Wolken und bescheren der Insel ergiebige Regenfälle.

Üppige Vegetation, wohin das Auge blickt

Landschaftlicher Höhepunkt ist der Nordosten, wo sich die hohen Berge direkt hinter der Küste erheben und mit dem Golden Beach einer der schönsten Strände liegt. Am nördlichen Ende der vier Kilometer langen Bucht liegt Chrissí Ammoudiá. Ferienwohnungen und Hotels liegen verstreut zwischen Olivenhainen, direkt am Strand und am Hang über der Bucht. Außer ein paar Tavernen, einigen Supermärkten und Autovermietern gibt es keine Infrastruktur. Der Strand ist breit, mit grobkörnigem Sand und klarem, flach abfallendem Wasser.

Ganz anders sieht es am anderen Ende der Bucht in Skála Potamiás aus. An der Uferpromenade drängen sich Tavernen, Bars und Discos, der Strand beschränkt sich großteils auf einen schmalen Kiesstreifen.

Hoch über der Küste liegt das Bergdorf Panagía mit seinen engen Gassen, dem plätschernden Dorfbrunnen und den Häusern mit schiefergedeckten Dächern. Hinter dem Ort beginnen die dichten Pinienwälder, in denen es sich auch im Sommer angenehm wandern lässt. Flacher  ist der Inselsüden. Dort findet man auch die meisten Strände und mit Potós einen der beliebtesten Badeorte. Einst war Potós nur der kleine Hafen des Bergdorfs Theologós, heute reihen sich in den Gassen und an der Strandpromenade Souvenirgeschäfte und Tavernen aneinander.

Nur ein paar Kilometer entfernt liegt das ehemalige Bergbaustädtchen Limenária mit dem hoch über der Stadt thronenden Palatáki, einem palastartigen Verwaltungsgebäude des einst hier tätigen Krupp-Konzerns. Ein kurzer Fußweg führt an drei runden Hochöfen vorbei hinunter zum Metallía Beach. Bis Mitte der 1960er Jahre schleppten hier Bergleute Erze, Kupfer und Zink. Heute bieten die Industrieruinen eine ungewöhnliche Strandkulisse.

Ein Badeerlebnis der besonderen Art kann man auch auf der kleinen Halbinsel Alikí genießen. Vorbei an Tempelruinen und Resten frühchristlicher Kirchen gelang man zu den antiken Marmorsteinbrüchen aus der Römerzeit, als der blendend weiße Marmor aus Thássos sehr begehrt war. Heute lässt sich in den wannenartigen Vertiefungen zwischen den riesigen Marmorquadern so manches lauschige Badeplätzchen finden.

INFORMATION
Auskünfte:
Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Opernring 8, 1010 Wien, Telefon 01/512 53-17,
Fax 01/513 91 89,
E-Mail: grect@vienna.at,
Internet: www.gnto.gr; umfangreiche Informationen und Tipps sind weiters auf der deutschsprachigen Homepage www.thassos-island.de zu finden.

Anreise:
Der nächstgelegene Flughafen ist Kavala, ansonsten Thessaloniki. Von dort sind es noch ungefähr drei Stunden Fahrt (170 Kilometer) bis nach Kavála. Die Überfahrt mit dem Flying Dolphin (Schnellboot) bis zur Inselhauptstadt Liménas dauert in etwa 40 Minuten

Autorin: Bärbel Schwertfeger

diese seite | 16.02.2007 | 12:11

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