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Wo Afrika draufsteht, muss nicht Afrika drin sein. Schon gar nicht, wenn man sich 2000 Kilometer von der Ostküste des Schwarzen Kontinents entfernt inmitten des Indischen Ozeans befindet – auf der blühenden Insel Mauritius.
Vom kontinentalen Mutterland unterscheidet sich auf Mauritius vieles: Die konstante demokratische Politik, die florierende Wirtschaft dank Zuckerrohr, Textilindustrie und Tourismus sowie das friedliche Nebeneinander von Hindus, Muslime und Christen.Wer ein sicheres Urlaubsdomizil in der Ferne sucht, der findet es – daran besteht kein Zweifel – auf Mauritius.
Jährlich rund 600.000 Besucher zählt das knapp 2000 Quadratkilometer große Eiland. Noch vor knapp 40 Jahren, als die Insel vom englischen Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen wurde, gab es auf Mauritius kein einziges Hotel. Heute wird das tropische Eiland von vielen Paaren als Bilderbuchinsel für die Traumhochzeit gebucht. Der Luxus in den Fünf- und Sechssterneresorts spielt im internationalen Wettbewerb ganz vorn mit.
Die Exklusivität soll im Paradies jedoch künftig nicht mehr die erste Rolle spielen. Bis 2015 sollen die Besucherzahlen auf jährlich zwei Millionen steigen und damit mehr als verdreifacht werden. So lautet der Plan des Tourismusministeriums. Kritiker warnen schon vor einem „Mallorca im Indischen Ozean“. Neugierige und Entschlossene machen sich lieber auf den Weg – und zwar gleich. Ohne Luxus.
Der Nordwesten der Insel ist der geschäftige Teil. Hier findet jeder seinen Platz, auch im einfachen Appartement. Die Strände sind nicht einsam, aber auch nicht überfüllt – vorausgesetzt, es sind nicht gerade Ferien. Vor allem aus dem nur 40 Flugminuten entfernten La Reunion kommen viele Touristen zum Badeurlaub nach Mauritius.
An der Westküste liegt auch die Hauptstadt, Port Louis. Sie ist ein Spiegelbild der kreolischen Kultur mit ihren erhalten gebliebenen Einflüssen aus Asien, Afrika und Europa: Hier das moderne Büro- und Regierungsviertel, dort die Chinatown und von Indern und Pakistanis bewohnte Viertel. Untrennbar verbunden ist der Name Mauritius mit der wohl berühmtesten Briefmarke der Welt, der „blauen Mauritius“. Von den 1000 ursprünglich hergestellten Marken sollen heute weltweit nur noch 12 zu finden sein. Im „Mauritius Postal Museum“ in Port Louis sind wenigstens noch ein paar Kopien der Berühmtheit ausgestellt.
Was es auf Mauritius noch reichlich gibt, ist Zuckerrohr. Über 50 Prozent der Gesamtfläche der Insel dient dem Anbau. Die Holländer waren es, die Ende des 16. Jahrhunderts das Zuckerrohr aus dem heutigen Jakarta einführten und die ersten beiden Zuckerraffinerien gründeten. Unter den Franzosen wuchs die Produktion, die Engländer führten sie ab 1815 zu ihrer Blüte.
Heute produziert Mauritius rund 600.000 Tonnen Zucker pro Jahr, der größte Teil davon geht in den Export. Eine sehenswerte Reise durch Geschichte und Verarbeitung des Zuckerrohrs bietet das Museum „ L’Aventure du Sucre“ in Pomplemousse. Drei der größten Zuckerproduzenten des Landes haben die perfekte Schau in einer stillgelegten Zuckerfabrik realisiert.
Bescheiden wirkt dagegen der Arbeitsplatz der 30 Beschäftigten bei „Historic Marine“ in Goodlands. Doch die Schiffsmodelle, die hier in akribischer Handarbeit und Originaltreue gefertigt werden, sind weltweit begehrt. Darunter etwa die „Santa Maria“ von Christoph Kolumbus oder die „Bounty“ von Captain Bligh. Das größte bisher hergestellte Modell sei eine über drei Meter lange Fregatte für das Marinemuseum in Miami gewesen, erzählt der Geschäftsführer. „16 Monate Arbeit waren das.“
Ins Schwitzen kommen mitunter auch die Sportfischer, die in der Hochsee rund um Mauritius nach Schwertfischen, Tunfischen oder Wahoos angeln. Ein Tier sucht man vergeblich – die Dronte, volkstümlich Dodo genannt. Der einst auf der Insel beheimatete, flugunfähige Riesenvogel überlebte die Besiedelung von Mauritius nicht. Den gibt es nur noch als Plüschtier.
INFO Mauritius zählt zu den am besten entwickelten Ländern Afrikas. Die Lebenserwartung liegt bei 72 Jahren, die Analphabetenrate bei einem Prozent. Von den rund 1,2 Millionen Einwohnern sind rund 70 Prozent indischer Abstammung, davon sind der Großteil Hindus. Der mauritische Sommer dauert von Dezember bis Februar. Dann steigen die Tagestemperaturen auf über 30 Grad und die Einheimsichen bereiten sich auf die Zyklonsaison vor. Im Vorjahr streifte zwei Mal ein Wirbelsturm die Insel. Alle Gebäude sind jedoch zyklonsicher gebaut.
BRIGITTA SCHÖRGHOFER
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