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Reiseberichte

Zauber der schwarzen Berge
10. Februar 2007
Das kleine Land Montenegro löst sich allmählich aus dem Schatten Serbiens und verführt seine Besucher mit atemberaubenden Naturlandschaften und geheimnisvollen Klöstern.

Die Triebwerke des kleinen Passagierflugzeugs orgeln gleichmäßig und das tiefblaue Meer glitzert, als ob tausend Diamanten plötzlich aufgetaucht wären. Die Maschine verliert langsam an Höhe und der Pilot setzt zum Landeanflug an. Drei kleine Inseln – Ostrvo Cvijeca, Sveti Marko und Otok liegen vor der Hafenstadt Tivat, die rötlichen Dächer der Häuser und der weitläufige Hafen bieten dem Betrachter aus der Vogelperspektive ein pittoresk anmutendes Bild der verschlafenen Adriastadt.

 Sanft setzt die Fokker 100 auf, rollt aus und auf der Gangway umspielt die milde, mediterrane Luft die an Kälte gewohnte Nase des sonnenhungrigen Mitteleuropäers. Nach dem Passieren der Pass- und Zollkontrolle winkt ein junger Mann mit gewelltem kurzen Haar und wachen Augen – Reiseführer Predrag, der die Gruppe aus der Alpenrepublik zu den einzigartigen Sehenswürdigkeiten seiner Heimat geleiten soll.

Mit einem Minibus beginnt die Fahrt in eine der Kulturmetropolen der Republik, dem mittelalterlichen Kotor, dessen Ursprünge auf die alten Illyrer zurückgeht. Über das unebene Pflaster führt  der junge Mann seine Gäste zum sakralen Wahrzeichen, der Tryphonius-Kathedrale, dessen ungleiche Türme mit der verwitterten Fassade von der wechselhaften Stadtgeschichte zeugen. „Die Reliquien des heiligen Tryphon, des Schutzpatrons Kotors, der einst die Tochter Kaiser Gordians von einem Dämon befreite, sind hier aufbewahrt“,  beschreibt der Montenegriner stolz jenes Bauwerk, das ursprünglich 1166 erbaut und nach einem Erdbeben 1667 größtenteils neu aufgebaut wurde. Einer alten Sage zufolge brachten Seefahrer, die vor einem schweren Sturm in der Bucht von Kotor Schutz suchten, den Leichnam des heiligen Tryphon an jenen Ort, an dem er bis heute blieb.

Auch die Renaissance hinterließ eindeutige Spuren in Cattaro, wie der imposante Turm im Zentrum der Altstadt beweist und für leidenschaftliche Fotografen immer wieder ein lohnendes Motiv darstellt. Allerdings sollte die Besichtigung der Hafenstadt nicht unbedingt ein lockerer Spaziergang werden, wie der etwas schweißtreibende Aufstieg auf die martialisch wirkenden Verteidigungsanlagen an den Hängen hoch über dem Ort beweist.

Einladung auf eine Zeitreise ins Mittelalter

Die knapp 20 Meter hohen Mauern scheinen für die Ewigkeit gebaut zu sein, aber sie entlohnen ihre keuchenden Besucher mit einem wunderbaren Rundblick über die Bucht und den historischen Stadtkern, der wie ein Dreieck auf einer schwarzen Tafel wirkt. Der einzigartige Fjord an der Adriaküste bietet aber noch andere sinnliche Monumente längst vergangener Epochen, die den faszinierten Betrachter auf eine Zeitreise ins Mittelalter einladen, wie die zwei kleinen Inseln  St. Georg, auf der sich in einem kleinen Wäldchen die gleichnamige Kirche verborgen hält, und das benachbarte Eiland, das der „Frau vom Felsen“ geweiht ist.

Montenegro bietet aber noch andere Kostbarkeiten, wie das Bergkloster Ostrog, das mit seinem hellen Mauerwerk Schutz suchend inmitten einer schroffen Felswand eingebettet liegt. „Dieses nahezu magisch wirkende Bauwerk erbaute der vor den Türken auf der Flucht befindliche Metropolit Vasilije Jovanovic gemeinsam mit 30 seiner Mitbrüder“, weiß Predrag ausführlich zu berichten, und seine Augen leuchten dabei.

Das Wirken des bei den Gläubigen bis heute verehrten Geistlichen ist aber mit einem weltweit anerkannten Wunder verbunden: Sein Leichnam ist bis heute nicht verwest. Auf dem Weg vom Kloster in der Nähe von Danilovgrad sollte noch der Besuch eines der größten Vogelparadiese Europas, des Skutari-Sees an der Grenze zum Nachbarland Albanien, die Reise krönen. In einem unergründlichen, tiefen Blau präsentiert  sich die weitläufige Wasserfläche, an der nicht nur Enten und Möwen nisten, sondern auch die in Dalmatien heimischen Pelikane und Reiher, die im Tiefflug in der beginnenden Abenddämmerung über den See gleiten. Die tiefgrünen Wälder an den Ufern vermitteln Urwaldcharakter und lassen Erinnerungen an eine Amazonasreise wach werden.

Im  Jahr 1983 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt und ist daher für eine touristische Erschließung unantastbar. Die würzige Luft und das Vogelkonzert an den Ufern des idyllischen Feuchtgebiets beleben Körper und Geist. Doch dieser Genuss findet  in der Nähe des Kleinbusses ein jähes Ende, der mit seinen widerlichen Auspuffgasen einen erholsamen Tagtraum zerplatzen lässt.

Doch die einige Zeit später folgenden Spezialitäten der mediterranen Küche, wie beispielsweise der besonders aromatische Njegusi-Schinken, lässt dieses Erlebnis schnell vergessen und erfreuen so manchen Gaumen. Auch der gegrillte Seebarsch und ein Gläschen vom Weißwein Krstac munden im kleinen Restaurant im Hafen von Kotor. Das kleine Paradies an der Adriaküste offenbart nun seine sinnlichsten Seiten.

Information: Touristische Organisation Montenegro, 81000 Podgorica, Rimski trg 10, Tel.: +381/81/235155, 235158, Fax: +381/81/235 159, E-Mail: tourism@cg.yu.Weitere Informationen: http://www.visit-montenegro.org, www.montenegro-info.com.

Autor: Michael Ellenbogen

diese seite | 09.02.2007 | 14:15

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